Deine Helden von damals: Sven Günther

"Ich wollte mich immer durchbeißen"

Sven Günther (mitte) im Duell mit Holger Ballwanz (links).
Sven Günther (mitte) stand 129 Mal für den FSV Zwickau auf dem Platz. ©Imago/Rust

Sven Günther sammelte in seiner Karriere Bundesliga- sowie in 246 Partien eine Menge Zweitliga-Erfahrung. Mit Abstand am häufigsten streifte er sich das Trikot des FSV Zwickau über. Im Interview für unsere Reihe „Helden von damals“ spricht der ehemalige Mittelfeldspieler über seine Zeit in den Zwickauer Jugendmannschaften, das speziellste Spiel mit dem FSV sowie die aktuelle Situation der Schwäne.

Herr Günther, bereits als Zehnjähriger kickten Sie für den FSV Zwickau, damals hieß der Verein noch BSG Sachsenring Zwickau. Welches Erlebnis ist Ihnen aus den Jugendmannschaften im Gedächtnis geblieben?
Sven Günther: „An etwas Besonderes kann ich mich nicht erinnern. Ich weiß, dass wir immer in der höchsten Klasse gespielt haben und dass diese zu DDR-Zeiten eine Zwei-Klassen-Gesellschaft war. Das heißt, eigentlich war vor der Saison schon klar, wer die Plätze eins bis acht belegt. Das waren meist die Fußballklubs, die vom Staat gefördert wurden, also Carl Zeiss Jena, Hansa Rostock und so weiter.

Danach kam die zweite Hälfte, da haben dann die BSGen, die vom Betrieb gestützt wurden ihre interne Meisterschaft ausgespielt. Wenn wir gute Spieler bei Sachsenring hatten wurden diese zum Beispiel nach Karl-Marx-Stadt delegiert. Und mit delegiert meine ich, du musstest da hin. Auch deswegen hatten die immer die besten Mannschaften.“

In der Saison 1993/1994 schafften Sie es unter Gerd Schädlich in den Profikader. Was war das für Sie, als Spieler aus der Region, für ein Gefühl?
Günther: „Das war ein Wahnsinns-Gefühl. Ich habe damals sehr viel investiert, bin zum Beispiel jeden Tag mit dem Bus von Kirchberg ins Training gefahren. Ich kann mich heute noch an viele Jungs erinnern, die das auch gemacht haben, aber das Glück dann nicht hatten. Allerdings kommt es nicht nur auf dieses Glück an, sondern vor allem auf Durchhaltevermögen und den Willen.

Man muss im Training immer präsent sein. Ansonsten wäre Gerd Schädlich nie auf den Gedanken gekommen, mich zu nehmen. Ich wollte mich immer durchbeißen und bin zwei Jahre mit der zweiten Mannschaft hier im Bezirk rumgetingelt. Ich habe mir dann immer gesagt: Irgendwann kommt der Tag. Und so war es dann auch. Viele waren krank und verletzt und dann hat mich Gerd Schädlich ins kalte Wasser geschmissen.“

Habe mir immer gesagt: Irgendwann kommt der Tag (über sein Durchhaltevermögen bei der zweiten Mannschaft)

Können Sie sich noch an das Spiel erinnern?
Günther: „Eines der ersten war auf jeden Fall in Wattenscheid, da haben wir mit 0:3 verloren und ich habe zwei Riesen-Schnitzer gemacht. Danach war ich sehr deprimiert. Allerdings hat mich Gerd Schädlich wieder aufgestellt, zum Beispiel gegen Mainz. Wir haben 3:0 gewonnen und ich habe zwei Tore vorbereitet. Gerd Schädlich hat mir die Chance gegeben und ich habe mich freigeschwommen.“

Heute sieht man Neuzugänge immer häufiger als Einstand singen. Gab es bei Ihnen damals auch ein Einstandsritual?
Günther: „Damals nicht, das war auch noch eine andere Zeit. Ich hatte schon öfter bei den Profis mittrainiert und bin nicht von heute auf morgen dazugekommen. Dass man als junger Spieler viele Sachen machen muss, was heute gar nicht mehr gang und gäbe ist, wie Bälle tragen oder Tore schleppen war früher eine Grundvoraussetzung. Kein junger Spieler hat die Ballsäcke einfach rumliegen lassen, sonst hatte man bei den alten Spielern schlechte Karten.“

Sonst hatte man bei den alten Spielern schlechte Karten (Über Bälle tragen und Tore schleppen als junger Spieler)

Vor Ihrem Wechsel nach Nürnberg machten Sie zwischen 1994 und 1998 109 Spiele für den FSV in der zweiten Bundesliga. Welche Partie haben Sie besonders in Erinnerung behalten?
Günther: „Besonders erinnere ich mich an das Spiel gegen Lübeck. Wir waren sechs Spieltage vor Schluss abgeschlagen, mussten eigentlich alle Partien gewinnen, um noch eine realistische Chance auf den Klassenerhalt zu haben. Darunter waren schwere Spiele wie gegen Kaiserslautern und in Oldenburg.

Es kam dann so, wir gewannen fünf Mal in Folge. Im letzten Spiel kam es dann zum Entscheidungsspiel gegen Lübeck. Wer gewinnt, bleibt in der Liga. Das Stadion war ausverkauft, wir haben gewonnen und ich habe noch ein Tor gemacht.“

Heute stehen Sie nicht mehr selbst auf dem Platz, sondern vor dem Bildschirm, haben ein Wettbüro in Zwickau eröffnet. Wann würden Sie auf den FSV setzen?
Günther: „Ich wette nicht so gerne, deswegen würde ich das nicht machen. Ich würde mich einfach freuen, wenn die Mannschaft in der Liga bleibt, denn das ist schwer genug.“

Fünf Mal stand der FSV Zwickau auf meiner Liste (über seine Tätigkeit als Scout für Holstein Kiel)

Wie kamen Sie auf die ungewöhnliche Idee, nach Ihrer aktiven Laufbahn ein Wettbüro zu eröffnen?
Günther: „Meinen Partner Sinisa Lazic kenne ich schon länger. Er hat damals in der bosnischen ersten Liga gespielt und mal ein Probetraining beim FSV Zwickau gemacht, nachdem er geflüchtet war. So haben wir uns kennengelernt und der Kontakt ist geblieben.

Er hat dann bei einem anderen Wettanbieter gearbeitet und auch selbst ein Wettbüro betrieben. Wir haben einfach mal die Köpfe zusammengesteckt, was wir machen können und sind auf ein Wettbüro gekommen.“

Wie oft schaffen Sie es selbst noch ins Stadion?
Günther: „Ich scoute jetzt noch nebenbei für Holstein Kiel, bin für den Osten zuständig. Ich scoute mannschaftstaktisch und suche Spieler, die die KSV voranbringen. Fünf Mal stand auch der FSV Zwickau auf meiner Liste, deswegen konnte ich ein paar Spiele sehen.“

Neuzugang Nico Antonitsch schwärmte unlängst von der Stimmung in Zwickau, sagte, so eine Stimmung habe er in Österreich nur bei Rapid Wien erlebt. Wieso ist diese so speziell?
Günther: „Ob sie so speziell ist, weiß ich nicht. Ohne das abwertend zu beschreiben, die Verhältnisse in Österreich sind nicht mir der deutschen dritten Liga zu vergleichen. Wenn man sich die Stimmung in Duisburg letzte Saison ansieht oder auch in Chemnitz, mit dem schönen neuen Stadion. Das ist für jeden der herkommt und es gewohnt ist, vor 3000 Zuschauern zu spielen was Besonderes.“

Er wird wahrscheinlich nicht zehn Jahre in Zwickau bleiben (über FSV-Coach Torsten Ziegner)

Torsten Ziegner führte den Verein in die dritte Liga, schaffte mit einer famosen Rückrunde den Klassenerhalt. Wieso ist er der richtige Trainer für den FSV?
Günther: „Weil er ein guter Typ ist, eine gute Auffassung vom Fußball hat und selbst ein guter Spieler war. Außerdem hat er sich von seinen vielen Trainern immer das Beste mitgenommen und kann das jetzt auch auf die Mannschaft übertragen.

Ohne Torsten Ziegner wäre der Verein nicht da, wo er jetzt ist. Gerade in der Anfangszeit hatte er super Ideen und hat selbst angepackt. Das zahlt sich jetzt aus. In der heutigen Zeit muss man aber auch zusehen, dass man den nächsten Schritt macht.

Auch Torsten wird daran denken. Er wird wahrscheinlich nicht zehn Jahre in Zwickau bleiben und ich weiß nicht, ob die Verantwortlichen das schon auf dem Zettel haben. Eigentlich hätte ich gedacht, dass es nach der Rückrunde der letzten Saison schon so weit ist und er diesen Schritt geht.“

Was müsste passieren, damit auch Liga zwei auf lange Sicht wieder möglich ist?
Günther: „Erstmal Ruhe bewahren. Man darf nicht vergessen, wo Zwickau herkommt. Vor ein paar Jahren haben sie noch Oberliga gespielt. Jetzt muss sich Zwickau in der dritten Liga etablieren und jedes Jahr um den Klassenerhalt kämpfen. Viele sehen nur den fünften Platz vom letzten Jahr, das ist aber sehr trügerisch.

Wenn man mit dem geringen Etat des FSV Zwickau mal auf einem Abstiegsplatz steht, dann ist das nicht schlimm, sondern das normalste der Welt. Der FSV Zwickau kann auch nicht die besten Spieler holen und muss daher andere Wege beschreiten, wie zum Beispiel ein ordentliches Scouting aufzubauen. Es gibt viele Spieler in den unteren Bereichen, die viel Qualität mitbringen. Ganz normal am Spielermarkt teilzunehmen, ist mit dem geringen Etat schwer.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Günther!

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