Deine Helden von damals: Sven Christ

"Der Bezug zu Mainz ist immer noch da"

Sven Christ im Trikot des FSV Mainz 05
Mainzer Führungsspieler: Sven Christ (m.) ging auf dem Platz voran. ©Imago/Eßling
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Sven Christ stand zwei Jahre für den FSV Mainz 05 auf dem Platz und überzeugte durch sein Auftreten sowohl auf als auch außerhalb des Platzes. Im Interview für unsere Reihe „Helden von damals“ spricht er über die Nachwuchsförderung in der Schweiz, Feierlichkeiten in Mainz und verrät, wo er Parallelen zwischen Jürgen Klopp und dem jetzigen FSV-Coach Sandro Schwarz sieht.

Herr Christ, Sie sind derzeit sportlicher Leiter in Aarau. Worin liegt Ihre Hauptaufgabe?
Sven Christ: „Wir haben in Aarau ein Nachwuchsleistungszentrum für die drei größten Vereine hier im Kanton, also für den FC Baden, den FC Wohlen und den FC Aarau. Da bin ich für alle Juniorenteams verantwortlich, von der U21 bis ganz unten. Im Leistungsbereich aber vor allem von der U15 bis zur U21.“

An welchem Verein oder welchem Land orientieren Sie sich bei der Nachwuchsförderung?
Christ: „Von der Philosophie her sind wir in der Schweiz eigentlich ziemlich verwöhnt. Wir haben eine Leistungsstruktur, die sehr gut ist und wo sich andere Länder eher an uns messen wollen. Ein kleiner Verein wie Aarau muss natürlich immer schauen, wie es andere Klubs machen.

Aufgrund der Nähe haben wir Kontakte zum SC Freiburg. Der SCF hat in Deutschland eine ähnliche Situation wie wir hier beim FC Aarau, auch wenn sie natürlich finanziell mehr Möglichkeiten haben. Mit den Freiburgern sind wir in einer engen Zusammenarbeit und dabei sehr offen im Austausch.“

Er konnte einen richtig packen (über Jürgen Klopp)

2001 wechselten Sie aus Ihrem Heimatland nach Mainz. Welche Rolle spielte der damalige FSV-Trainer Jürgen Klopp dabei?
Christ: „Ich habe damals in Lausanne gespielt und mein Berater hat den Kontakt nach Mainz geknüpft. Ich habe dann ein Wochenende in Mainz verbracht und Jürgen Klopp getroffen. Damals kannte man ihn natürlich noch nicht als den Trainer, der er jetzt ist. Aber er konnte einen damals schon richtig packen und ich habe mich dann relativ schnell für den Wechsel entschieden.“

Gibt es Trainingsmethoden von Klopp, die Sie heute noch selbst anwenden?
Christ: „Man sagt ja immer, dass man nicht kopieren sollte. Die Art und Weise wie er eine Mannschaft geführt hat, wie respektvoll er mit den Spielern umgegangen ist, die hat mich aber schon sehr beeindruckt. Man hatte bei ihm immer das Gefühl, dass jeder Spieler wichtig ist, ob nun Nummer 23 oder Nummer elf. Der Leistungsgedanke war natürlich da, aber diese Art und Weise, wie er damit umgegangen ist, habe ich mir mitgenommen.“

In Mainz spielten Sie auch mit Sandro Schwarz. Brachte er damals schon die richtigen Voraussetzungen für eine spätere Trainertätigkeit mit?
Christ: „Er war damals schon ein absoluter Leader-Typ, bei uns sagt man ein ‘Reißer‘, der offen seine Meinung kundgetan hat. Er hat auch die schwierige Zeit vor Jürgen Klopp mitgemacht, als Mainz fast abgestiegen wäre.

Als wir dann fast aufgestiegen wären, hat er eine zentrale Rolle bekommen. In seiner Art, wie er damals zur Mannschaft sprach und heute zum Beispiel zu den Medien spricht, zeigt sich schon, dass er sehr viel von Jürgen Klopp mitgenommen hat.“

Er verkörpert die Mainzer Philosophie bis aufs Blut (über FSV-Coach Sandro Schwarz)

Verfolgen Sie die Spiele der Mainzer noch?
Christ: „Die Bundesliga allgemein. In der Schweiz haben wir jetzt das Problem, dass die Bundesliga-Spiele nicht mehr übertagen werden. Die Sportschau verfolge ich aber. Ich freue mich auch unheimlich, dass Sandro jetzt diese Chance bekommen hat.

Ich habe in meiner Fußballlehrerausbildung ja auch eine Woche in Mainz verbracht, damals war Thomas Tuchel noch Trainer. Außerdem habe ich Kontakt mit Martin Schmidt, der zuvor dort Trainer war. Der Bezug zu Mainz ist also immer noch da.“

Unter Schwarz ist Mainz durchwachsen gestartet. Wie bewerten Sie die ersten Saisonspiele der 05er?
Christ: „Sandro trägt die Philosophie des Vereins absolut mit. Es gab eine Phase, als Mainz einen für den Verein untypischen Fußball spielen wollte, der mehr auf Ballbesitz ausgelegt war. Das ging dann nicht gut. Sandros Philosophie sieht vor, sehr schnell umzuschalten und damit passt sie zu Mainz wie die Faust auf´s Auge.

Ich glaube schon, dass er mit seiner Art in die Fußstapfen von Jürgen Klopp treten kann, wobei er, denke ich, nicht mit ihm verglichen werden möchte. Er hat seinen eigenen Weg, den er bis jetzt hervorragend geht. Er verkörpert die Mainzer Philosophie bis aufs Blut und das ist sehr erfreulich zu sehen.“

Kann mir gut vorstellen, wie es dort herging (über die Mainzer Aufstiegsfeier)

Sie waren ein Führungsspieler, gingen stets voran. Die Frage mag abgedroschen klingen, aber fehlen diese Spieler heute nicht mehr denn je?
Christ: „Absolut. Das haben wir uns aber selbst zuzuschreiben. Wir haben das nicht nur zugelassen, sondern wollten plötzlich nur noch Spieler, die alles nach Plan ausführen und funktionieren. Das Individuelle hat man vergessen.

Jetzt plötzlich merkt man, dass das Besondere fehlt. Ich glaube aber, dass die neue Trainergeneration daran arbeitet, dass wieder mehr erlaubt wird und dass das wieder mehr zu Tragen kommt.“

Den Bundesliga-Aufstieg von Mainz haben Sie nicht mehr miterlebt, waren bereits wieder in der Schweiz. Was haben Sie denn von den Feierlichkeiten mitbekommen?
Christ: „Bereits zu meiner Zeit war es knapp, gegen Braunschweig hat uns zum Beispiel nur ein Tor zum Aufstieg gefehlt. Den Aufstieg habe ich natürlich mitbekommen und dann auch mit Jürgen Klopp telefoniert. Er war da lustigerweise gerade bei Stefan Raab.

Wir haben dann eine Live-Schalte nach Mallorca gemacht, wo die Jungs sich vier oder fünf Tage unter den Tisch getrunken haben. Das gehört aber auch zu Mainz. Diese Feierlichkeit habe ich leider nicht erlebt. Allerdings war ich bei der Fastnacht dabei und wenn die Aufstiegsfeier auch nur annähernd so war, kann ich mir schon gut vorstellen, wie es dort herging (lacht).“

Den Wechsel habe ich nie bereut (über seinen Abschied aus Mainz)

Wie sehr bedauern Sie es, ein Jahr vor dem Aufstieg zurück in die Schweiz gewechselt zu sein?
Christ: „Meine Familie lebte damals in der Schweiz und ich habe gesagt, wenn wir den Aufstieg nicht packen, werde ich meine Situation überdenken. Ich habe lange mit Jürgen Klopp gesprochen, er hat mich freundschaftlich abgewatscht und gesagt, ich müsse dableiben. Allerdings habe ich mich dazu entschlossen, zurück zu gehen.

Als die Mannschaft dann im nächsten Jahr aufgestiegen ist, habe ich natürlich erst Mal geschluckt, aber den Wechsel habe ich nie bereut. Meinen Weg habe ich so gewählt und damals war das die absolut richtige Entscheidung.“

Sie haben in der Schweiz nun viel Erfahrung gesammelt. Kommt für Sie auch ein Wechsel ins Ausland in Frage?
Christ: „Das ist natürlich immer ein Thema. Im Moment habe ich in Aarau hier eine Arbeit aufgenommen, die mir sehr viel Freude macht. Ein Angebot aus dem Ausland würde ich natürlich erst Mal prüfen, es ist jetzt aber nicht mein oberstes Ziel, zu wechseln. Dafür braucht man auch das gewisse Vitamin B. Ich will also nichts ausschließen, aber momentan daran einen Gedanken zu verschwenden, wäre nicht meine Art.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Christ!

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