Deine Helden von damals: Christian Claaßen

Helden von damals: Christian Claaßen

„Vom Halbprofi zum Vollprofi wird die größte Herausforderung für Meppen“

Christian Claaßen schoss über 100 Tore für den SV Meppen sowie Osnabrück und führte den VfL im Jahr 2000 als Kapitän zum Aufstieg in die zweite Bundesliga. Im Interview für unsere Rubrik „Helden von damals“ spricht er über die Highlights seiner Karriere, die Besonderheiten am SV Meppen und Ringen im Strafraum.

Christian Claaßen vom HSV
Durfte auch Bundesliga-Luft schnuppern. Für den HSV war Christian Claaßen (3.v.r.) fünfmal in Liga eins aktiv. ©Imago/Claus Bergmann
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Herr Claaßen, als 21-jähriger begann Ihre Profikarriere beim VfB Oldenburg. Können Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt in der zweiten Liga erinnern?
Christian Claaßen: „Das war glaube ich zuhause gegen Rot-Weiß Essen im alten Donnerschweer Stadion und wir haben 2:0 gewonnen. Da bin ich zur Halbzeit eingewechselt worden. Das war natürlich ein tolles Erlebnis.

Für mich kam das überraschend und schnell, ein Mitspieler hatte sich verletzt und dann wurde ich ins kalte Wasser geschmissen. Aber manchmal ist sowas ja auch besser.“

Über den SV Wilhelmshaven und den HSV gelangten Sie nach Meppen, damals so etwas wie der Kultverein der zweiten Liga. Was machte den Klub so besonders?
Claaßen: „Meppen war ein bisschen ländlich und keiner wollte dorthin. Auch Toni Schumacher nicht, damals mit seinem legendären Spruch, was aber wohl spaßeshalber gemeint war.

Meistens haben wir sonntags gespielt. Dann gingen die Leute erst in die Kirche und dann halt zum Fußball. Und zwischendrin noch zum Frühschoppen (lacht). Da war quasi der ganze Ort im Stadion. Es war fast immer ausverkauft und das machte diese besondere Atmosphäre aus.“

Der ganze Ort war im Stadion (über die Besonderheiten in Meppen)

Gibt es ein Spiel, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Claaßen: „Ich kann mich sehr gut an das Spiel zuhause gegen Kaiserslautern erinnern, das mit Otto Rehhagel aufgestiegen und das Jahr darauf Meister geworden ist. Bei uns hat die Star-Truppe um Andi Brehme aber mit 1:2 verloren. Dabei habe ich mit einem 25-Meter-Schuss das 1:0 erzielt. Das war eins von vielen Highlights.

Wir haben auch einmal gegen Eintracht Frankfurt 6:1 im Pokal gewonnen, das war auch ein schönes Erlebnis. Eine Woche darauf haben wir im Punktspiel in Frankfurt nochmal gewonnen. Innerhalb von einer Woche zweimal Frankfurt zu schlagen, das gibt´s wohl auch nicht so oft.“

Wo haben Sie Meppens Relegationsspiele gegen Mannheim verfolgt?
Claaßen: „Das war ja nicht so ganz einfach. Das Hinspiel konnte ich im Fernsehen verfolgen, das Rückspiel live ja nur als Stream, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Heutzutage wird jeder Scheiß gezeigt, nur die Relegationsspiele dann nicht. Das fand ich ein bisschen merkwürdig. Aber ich habe dann doch einen Stream gefunden und bis zum Schluss mitgefiebert.“

Was waren aus Ihrer Sicht die Gründe für den Aufstieg der Meppener?
Claaßen: „In dem Thema bin ich nicht mehr so richtig drin. Ich glaube, dass in Meppen die mannschaftliche Geschlossenheit da war. Dieser Teamfaktor wird sehr groß geschrieben. Viel mehr kann ich dazu aber gar nicht sagen.“

Spieler müssen den Spagat vom Halb- zum Vollprofi hinkriegen (über die Herausforderungen Meppens)

Mit Ronald Maul verpflichtet Meppen einen neuen Geschäftsführer. Inwieweit muss sich Meppen weiter professionell aufstellen?
Claaßen: „Sie müssen am Stadion einiges machen und die Infrastruktur ein bisschen aufpeppeln. Das hat der Herr Kremer (Anm.d. Red: Sprecher des Vorstands) auch schon gesagt.

Prinzipiell ist bei Meppen derzeit das Problem, dass sie jetzt wieder professionellen Fußball spielen und keinen Feierabend-Fußball. Die Spieler, die eine Ausbildung machen, was ich auch für richtig halte, und dann abends trainieren, müssen den Spagat hinkriegen.

Ich habe das damals auch gemacht und würde es auch immer wieder gerade den jungen Spielern empfehlen, dass sie, wenn sie nicht ganz oben spielen, zweigleisig fahren. Dieses „Vom Halbprofi zum Vollprofi“ wird die größte Baustelle des SV.“

Hier geht’s zum Helden-von-damals-Interview mit Ronald Maul

Was halten Sie von der Maul-Verpflichtung?
Claaßen: „Sein Vorgänger hat das nicht schlecht gemacht, sonst wären sie nicht so souverän Meister geworden. Ich glaube einfach, dass sie sich auch da breiter aufstellen wollen.

In der dritten Liga kommt ein bisschen mehr auf den Verein zu. Ronny (Anm. d. Red.: Spitzname von Ronald Maul) hat schon Erfahrung gesammelt und ich glaube, dass sie die vielfältigen Aufgaben nun auf mehrere Schultern verteilen wollen.“

1998 wechselten Sie nach Osnabrück in die Regionalliga Nord. Wie kam es zum Wechsel?
Claaßen: „Das war ganz einfach: Osnabrück hat damals einen Stürmer gesucht und mich zwei- bis dreimal in Meppen gesehen. Dann fiel die Wahl auf mich. Mein Bruder spielte bereits in Osnabrück und noch zwei, drei Kollegen mit denen ich schon in Wilhelmshaven gespielt hatte.

Ich war dann relativ schnell begeistert, weil ich Osnabrück immer schon gut fand, auch das Stadion und Umfeld. Im Nachhinein betrachtet war das der richtige Schritt. Ich habe sechs Jahre dort gespielt und bin auch beruflich dort hängen geblieben.“

2000 gehörten Sie zu den Aufstiegshelden des VfL. Der schönste Triumph Ihrer Karriere?
Claaßen: „Durch diese Dramatik im Elfmeterschießen kann man das sagen, ja. Damals war es in der Relegation wie heute, dass man als Meister nicht direkt aufgestiegen ist. Das Hin- und Rückspiel gegen Union Berlin – mehr Dramatik ging nicht. Deshalb war es auch, wenn ich mal drüber nachdenke, das Spektakulärste und ich glaube auch das Größte, was ich erlebt habe.“

Mehr Dramatik ging nicht (über den Aufstieg des VfL Osnabrück)

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren damaligen Mannschaftskollegen?
Claaßen: „Auf jeden Fall. Ich spiele in der Traditionsmannschaft des VfL. Hier sind viele hängen geblieben. Ob das Joe Enochs, der seit über 20 Jahren in Osnabrück lebt, oder Wolfang Schütte und Daniel Thioune ist – die sind alle hier sesshaft geworden. Dadurch haben wir regelmäßigen Kontakt und auch viel Spaß in der Traditionsmannschaft.“

Sie waren fast zwanzig Jahre im Leistungsfußball aktiv. Wer war Ihr härtester Gegenspieler?
Claaßen: „Das ist schwierig. In Meppen gab es zwei, drei Haudegen, die auch beim Training draufgehauen haben. Das war auch so ein bisschen die Spielweise von Meppen damals. Da wurde auch im Training gut dazwischen gehauen. Ein spezieller Gegenspieler fällt mir spontan aber nicht ein.“

Was hat sich im Laufe der Jahre im Fußball-Geschäft geändert?
Claaßen: „Das Spiel ist schneller und die Regeln sind besser besser geworden. Als ich zu den Herren kam, wurde man erst einmal in den ersten fünf Minuten von hinten abgegrätscht. Als erste Ermahnung sozusagen.

Da hat der Verteidiger meistens kein Gelb bekommen, weil das dem Schiedsrichter zu früh war. Wenn ich heute einen von hinten umhaue, dann kann ich auch direkt Rot kriegen, was ich richtig finde. Deshalb ist das Spiel stürmerfreundlicher geworden.

Bei Eckbällen wird heute auch nicht mehr manngedeckt, das hätte ich mir auch gerne gewünscht. Früher konnte man da Ringen spielen im 16er und es wurde kein Elfmeter gepfiffen. Heute ist das aus Stürmersicht besser.“

Wir sind abends noch ein Bier trinken gegangen (über den Unterschied zwischen den Spielergenerationen)

Gab es auch Veränderungen im Mannschaftsgefüge?
Claaßen: „Zu meiner Anfangszeit war der Zusammenhalt in der Mannschaft ein bisschen besser. Wir sind dann abends noch ein Bier trinken gegangen. Was man heute so mitkriegt, machen die das nicht mehr.

Deshalb war das ganz gut, dass ich in der Zeit gespielt habe, denn wir haben natürlich nicht nur Fußball gespielt, sondern gerne auch das eine oder andere mal gefeiert.

Das geht denen heutzutage ja ein bisschen ab, wenn sie vorm Laptop sitzen oder mit den Kopfhörern im Bus. Wir haben nach dem Spiel Karten gespielt und uns unterhalten. Geld verdienen kann man heute mehr, das ist klar. Für mich kann ich aber sagen, dass ich in der genau richtigen Zeit Fußball gespielt habe.“

Viele Ex-Profis arbeiten nach der Karriere im Fußball-Bereich. Haben Sie sich bewusst für eine Laufbahn außerhalb des Sports entschieden?
Claaßen: „Ja. Ich hatte es lange mitgemacht, bei Auswärtsspielen einen Tag vorher loszufahren, dann ins Hotel und so weiter. Das ist dann auch irgendwann gut gewesen. Wenn man Kinder hat, ist das auch ein Problem.

Deshalb war für mich klar, dass ich es nur voll-professionell oder gar nicht mache. Da ich nach der aktiven Karriere aber erst etwas Ruhe brauchte, kam nur die zweite Variante in Frage. Wenn man einen Beruf hat und nur nebenbei etwas mit Fußball macht, ist man nie zuhause.

Das wollte ich nicht und habe mich daher entschieden, beruflich etwas anderes zu machen. Die ersten beiden Jahre hat das ein bisschen weh getan und ich habe auch einiges vermisst. Mit der Zeit ist es aber weniger geworden und mittlerweile komplett erledigt.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Claaßen!

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