Deine Helden von damals: Björn Lindemann

"Kiel ist ein hervorragender Verein"

Nach fünf Jahren in Thailand ist Björn Lindemann wieder zurück in Deutschland. Der 33-Jährige heuerte erst kürzlich bei Regionalligist Egerstorf an. Aufgrund seiner erfolgreichen Vita mit Traditionsvereinen wie Holstein Kiel, VfL Osnabrück oder Carl Zeiss Jena passt er hervorragend in unsere Reihe „Helden von damals“. Im Interview spricht „Linde“ unter anderem über die rasante Entwicklung bei den Störchen und erklärt, warum er sich ein Comeback in der 3.Liga zutraut.

Zweikampf zwischen Björn Lindemann und Dominic Peitz
Denkt gerne an seine Zeit bei Holstein Kiel zurück: Björn Lindemann (l.) ©Imago/Fishing4

Herr Lindemann, erst jüngst wurde Ihr Wechsel zurück nach Deutschland zum 1. FC Germania Egerstorf/Langreder bekannt. Wie kam es dazu?
Björn Lindemann: „Ich war schon länger mit dem Trainer Jan Zimmermann in Kontakt und hatte letztes Jahr schon überlegt zu kommen. Jetzt hat sich das alles so ergeben. Mit meinem Verein in Thailand kamen wir auf eine gute Lösung, sodass es noch vor dem 31. August gekappt hat.“

Anfangs gab es einige Probleme in Thailand, es war von „harten ersten Wochen“ zu lesen. Am Ende blieben Sie fünfeinhalb Jahre. Wie lautet Ihr Fazit?
Lindemann: „Ich sehe meinem Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich hatte dort eine schöne Zeit, aber es war nicht immer einfach. In Thailand herrscht eine komplett andere Lebensphilosophie. Dort wird gemacht, was gesagt wird und es gibt kaum Eigeninitiative.

Im ersten Jahr war es deswegen ganz hart für mich. Ich habe mich aber dann dafür entschieden zu bleiben und es ganz gut hinbekommen. Die deutsche Disziplin und Organisation habe ich aber schon vermisst.“

Die deutsche Disziplin habe ich vermisst (über seine Zeit in Thailand)

Wenn man sich Ihre Social-Media-Kanäle anschaut, scheinen Sie Ihre ehemaligen Vereine in Deutschland jedoch immer noch auf dem Schirm zu haben. Welche Gedanken gehen Ihnen dabei durch den Kopf?
Lindemann: „Es freut mich natürlich, dass ich anscheinend einen so prägenden Eindruck hinterlassen habe, dass sich die Leute immer noch für mich interessieren. Das ein oder andere liest man schon mit Schmunzeln, aber so ist das halt in den sozialen Netzwerken. Über die ganzen Willkommensgrüße, die mich darüber erreicht haben, habe ich mich jedenfalls sehr gefreut.

Können Sie Sich denn noch an den 24. Mai 2003 erinnern?
Lindemann: „Das ist schon lange her. Nicht wirklich.“

Damals saßen Sie bei Hannover 96 in der Bundesliga auf der Bank. Der Gegner hieß Arminia Bielefeld…
Lindemann: „Stimmt, das war am letzten Spieltag und das erste Mal, dass ich bei Hannover im Kader stand. Ich war damals einer der wenigen Jugendspieler, der regelmäßig bei den Profis dabei war. Für mich war das eine große Sache, weil ich dafür lange gearbeitet habe.

Allerdings hatte ich auch ein bisschen Glück, weil es für uns um nichts mehr ging. Die Stimmung in Bielefeld war damals super, das Stadion voll. Vom Betreten des Rasens bis zum nach Hause fahren im Bus waren das für mich 150 Minuten Herzklopfen. Da bekam ich schon Lust, das öfter zu haben.“

Ich fühlte mich von Anfang an wohl (über den Start in Kiel)

Von Hannover ging es nach Kiel, für die „Störche“ haben Sie die meisten Partien (67) in Ihrer Vita absolviert. Waren es ein oder mehrere Entwicklungsschritte, die Sie rückblickend in Kiel gemacht haben?
Lindemann: „Kiel war mein erster Verein im Herrenbereich, außerdem war ich das erste Mal von zuhause weg. Ich hätte auch bei Hannover 96 bleiben können, aber wie heißt es immer so schön: Der Prophet im eigenen Land ist nichts wert. Daher wollte ich diesen neuen Schritt gehen.

Mit den Verantwortlichen in Kiel hatte ich dann sehr gute Gespräche. Ich fühlte mich dort auch von Anfang an wohl und denke, ich habe mich auch ganz gut entwickelt. Es ist eine schöne Stadt und ich habe immer noch Kontakt zu ein, zwei Leuten dort.

Mit Frank Neubarth stand ein Trainer an der Seitenlinie, der auf Sie gesetzt hat. Was hat ihn als Trainer ausgezeichnet?
Lindemann: „Er brachte selbst viel Erfahrung als Profi mit und hat die Mannschaft sehr gut zusammengestellt. Er wusste, wie er mit den Leuten umgehen musste. Wir hatten eine gute Kameradschaft, was auch in der Liga wichtig ist.

Ich war so ein bisschen wie sein kleiner Ziehsohn, er hat mich immer ein bisschen härter rangenommen, als die anderen. Oft hat er mich schon morgens mitgenommen zum Laufen. Wenn ich kotzen musste, ging es danach weiter und alles war ok. Von der Person her war er ein guter Typ.“

2.Liga muss für ihn nicht der Schluss sein (über Dominick Drelxer)

Nach 36 Jahren haben die „Störche“ bekanntlich die Rückkehr in die 2. Liga geschafft, aktuell agiert das Team jedoch nicht wie ein Aufsteiger. Inwieweit kann Kiel die Überraschungsmannschaft der laufenden Spielzeit werden?
Lindemann: „Kiel ist ein hervorragender Verein. Ich habe die Entwicklung in den letzten Jahren verfolgt. Was die sich da aufgebaut haben, auch mit dem Nachwuchsleistungszentrum, da muss man einfach Respekt zollen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es für den Verein hochgeht.

Jetzt haben sie eine gute Truppe zusammen und schwimmen auf einer Euphoriewelle. Sie werden Ihren Weg machen und die Punkte auch weiterhin holen. Wenn das frühzeitig geschieht, können sie außerdem befreit aufspielen – dann weiß man nie was passiert. Genauso kann es passieren, dass sie mal einen kleinen Hänger kriegen werden. Ich bin mir jedoch sicher, dass sie die Klasse halten und noch für die eine oder andere Überraschung sorgen werden.“

Dominick Drexler spielt in Kiel im offensiven Mittelfeld derzeit eine gute Rolle. Welche Parallelen sehen Sie zwischen sich und dem 27-Jährigen?
Lindemann: „Ich habe ihn schon etwas länger beobachtet, auch als er noch in der Regionalliga gespielt hat. Er ist ein anderer Spielertyp als ich, lebt von seiner Schnelligkeit, ist sehr trickreich und hat auch ein gutes Passspiel.

Ich war jetzt nie so der Skill-Typ, habe nie allzu viel gezaubert. Parallelen sind also schwer zu benennen. Er ist auf jeden Fall ein Klasse-Mann auf der Position und ich glaube, dass für ihn in der zweiten Liga nicht unbedingt Schluss sein muss.“

Sie haben einmal eine Traumelf zusammengestellt, sich selbst haben Sie dabei als Spielmacher aufgestellt. Doch auf welchen Trainer würden Sie dabei zurückgreifen?
Lindemann: „Ich hatte einige gute, aber auch ein paar schlechte Trainer. Am meisten gelernt habe ich von Ralf Rangnick. Mein letzter Trainer in Thailand war aber auch sehr gut. Könnte ich mir einen aussuchen, würde ich wohl Christian Streich nehmen.

Mit ihm hätte ich gerne mal zusammengearbeitet, finde ihn als Typ klasse. Ihm würde ich auch gerne mal über die Schulter schauen.“

Klingt als wären Sie am Trainerjob interessiert. Wäre das eine Alternative nach der Karriere?
Lindemann: „Früher nein, mittlerweile aber schon, weil man sich die Spiele einfach anders anguckt. Viele meiner Freunde sind bereits Trainer. Das Interesse ist schon da, aber noch weiß ich nicht, ob ich jemals Trainer sein werde. Die Kurse werde ich aber auf jeden Fall besuchen, um das Know-How zu bekommen. Auch dem ein oder anderen Trainer werde ich mal über die Schulter schauen, um zu sehen, wie die arbeiten.“

Im vergangenen Winter haben Sie im Interview mit Liga-Drei.de offenbart, dass der 1. FC Magdeburg an Sie gedacht hat. Jetzt geht es in die vierte Liga. Was sind Ihre Ziele mit dem neuen Verein?
Lindemann: „Der Verein ist sehr entspannt, es gibt keinen Druck. Es ging beim Wechsel auch nicht um das Finanzielle oder sonst was. Es ist ein Verein, der sich in der Regionalliga etablieren möchte, gute Bedingungen hat und nahe an meiner Heimat ist.

Ich war jetzt so lange weg, dass ich mich erstmal wieder umstellen muss. Ich möchte einfach Spaß und Freude an der Sache haben und vernünftig arbeiten können. Darum möchte ich da jetzt erst mal keine Prognose abgeben.“

Alexander Ludwig wechselte jüngst aus der Landes- in die 3. Liga zu Rot-Weiß Erfurt. Sie sind ebenfalls nun 33 Jahre alt. Würde Sie die dritte Liga auch nochmal reizen?
Lindemann: „Natürlich, wieso nicht. Die dritte Liga hat das gewisse Etwas. Das Alter ist ja nur eine Zahl. Es kommt vielmehr darauf an, wie man sich selbst fühlt; ob man noch über 90 Minuten gehen kann. Wenn was interessantes kommen würde, wäre das schon überlegenswert. Allerdings würde ich es erst mit meiner Familie durchsprechen.

Ich muss aber wie gesagt erstmal ankommen. Ich konnte den Vergleich zwischen Thailand und Deutschland jetzt ziehen und denke, die Regionalliga ist für mich ein guter Einstieg. Ich glaube, dass ich die Qualitäten habe, um der Mannschaft zu helfen und möchte mir wieder das körperliche Spiel aneignen.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Lindemann!

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