Deine Helden von damals: Frank Mill

"Ganz ehrlich: Ich war ein Miststück!"

Frank Mill beim BVB.
„Schlitzohr“ Frank Mill nutzte jeden Kontakt im gegnerischen Strafraum. ©imago images/Kicker/Liedel

Vor dem Gesprächstermin mit Frank Mill hat sich der Wettmaxx-Autor umgehört. Unter dessen früheren Teamkollegen, Gegenspielern und Trainern. Wir wissen nicht, wieviele Sport-Idole es in unserem Lande gibt, die bei solchen Befragungen von allen – wirklich von allen – Personen in Sekundenschnelle allein auf einen einziges Schlagwort reduziert werden können.

In unserem Erleben ist dies zweifelsfrei der Fall: „Haha, Frank Mill – das Schlitzohr!“, so hallte es uns mit steter Verlässlichkeit entgegen und dieser freudige Tonfall bei alledem macht deutlich: Die Sympathien für dieses „Schlitzohr“ sind allerorten riesengroß. Heute wie damals.

Damals – das waren 20 Spielzeiten zwischen 1976 und 1996 mit 668 Einsätzen und 256 Treffern für RW Essen, Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund, Fortuna Düsseldorf sowie für den DFB und seinen Auswahlmannschaften A-Elf, Olympiateam und U21. Ein solch imposantes Pensum schafften nur sehr wenige. Und auch heute noch stecken im Wochenplan des Frank Mill nur wenige Ruhephasen, wie er uns nicht ohne Stolz berichtet.

Frank Mill, der optisch immer mehr der Hollywood-Ikone Dustin Hoffman ähnelt, lernte Florist im mütterlichen Blumenladen, veranstaltet seit 17 Jahren Spaßfußballcamps im ganzen Land. Und besonders gut für die Altersvorsorge: Er baute Mehrfamilienhäuser mit 15 Wohnungen. Alle zum richtigen Zeitpunkt verkauft.

Frank Mill – clever als Fußballer, clever im Leben. Wie geht es Ihnen?
Frank Mill (mit kräftiger Stimme): Genauso wie Sie es sagen: Bestens läuft’s! Keine Spur von Midlife-Crisis.“

Auch ohne den großen Fußball?
Mill: „Vielleicht ja gerade deshalb. Ich vermisse das Spektakel nicht. Vieles, was ich heute von meinen Freunden, die dabei geblieben sind, über den großen Fußball höre und was ich sehe, ist nicht nach meinem Geschmack. Ich möchte das aber nicht weiter ausführen, sonst wird unsere Stimmung womöglich zu negativ.“

Und sogar die Schienbeinschoner habe ich weggelassen. (über seine Zeit als Torjäger)

Sie sind 61 Jahre alt, leben in Essen, Ihrer Geburtsstadt. Was prägt und trägt Ihr Leben heute?
Mill: „An erster Stelle steht meine großartige Familie. Es ist mein zweiter Anlauf, in dem es zwei sehr lebhafte Enkelkinder gibt. Die muss ich allerdings manchmal daran erinnern, dass die große Nase ihres Opas schon sechsmal gebrochen war und somit einige empfindliche Stellen hat.“

Welch ein anschaulicher Übergang in Ihre aktive Karriere als Torjäger. 20 Jahre haben Sie sich abgerackert, sind auch dort hineingeprescht, wo die Gesundheit in Gefahr ist. Doch längere Zwangspausen blieben Ihnen erspart. Wie haben Sie das gemacht?
Mill: „Und sogar die Schienbeinschoner habe ich weggelassen. Ich war ja ein wendiger, drahtiger Spieler. Meine Muskulatur rund um das Knie war immer extrem stabil. Und genau wie beim Toreschießen habe ich mich auch im Infight auf meine Instinkte verlassen.

Wenn Gelsdorf, Demuth, Siegmann und Konsorten mit der Sense kamen, bin ich schnell hochgesprungen oder weggeblieben. Und wenn es eng und rasant zugleich wurde, dann hieß es eben: Schnell rein, schnell raus. So bin ich – abgesehen von meiner Nase – beinahe unfallfrei durchgekommen.“

Da hatte ich die Schnauze voll und und betrat drei Jahre lang kein Stadion mehr. (über sein Aus bei Fortuna Düsseldorf)

Beinahe?
Mill: „Ganz am Ende in Düsseldorf, als die Muskeln wohl doch etwas schlaffer wurden, ist dann doch noch das Kreuzband meines linken Knies gerissen. Ich war 36 und somit war dann auch Schluss für mich.“

Und Sie wurden – dies war die Bundesliga-Spielzeit 1996/97 – Sportchef bei Fortuna Düsseldorf…
Mill: „Und wir stiegen leider ab. Dennoch hat mir die Aufgabe gefallen und ich hatte auch konkrete Vorstellungen, wie die Fortuna schnell hätte zurückkommen können. Doch dann kam Klaus Allofs, erzählte allen, es alles besser zu wissen und sägte mich ab. Da hatte ich die Schnauze voll und betrat drei Jahre lang kein Stadion mehr.“

An dieser Stelle also brachen Sie mit der großen Fußballbühne. Doch nicht mit allem, was mit Fußball zu tun hat…
Mill: „Natürlich nicht! Das ging und geht ja nicht bei mir. Ich fing an, mich mit der Veranstaltung von Fußballcamps für Kinder in den Ferien zu beschäftigen. Ich war einer der Pioniere und mein Unternehmen ‚Kids Active‘ wurde eine Erfolgsstory. In der besten Zeit betrieb ich an 106 Standorten diese Camps.

Inzwischen sind es nur noch 25, doch die laufen prima. Komme gerade von einem Camp im bayerischen Breitbrunn. Das liegt am schönen Chiemsee. Dort gingen die Sommerferien gerade erst zu Ende. In Kürze stehen schon die ersten Camps der Herbstferien an. Bin immer in Aktion.“

Frnak Mill im DFB-Dress.
17-Mal lief Frank Mill für Deutschland auf. ©imago images/Kicker/Liedel

Ein Aktionsfeld ist immer noch die Traditionself von Borussia Dortmund. Dort sind Sie der Senior und duellieren sich dabei sogar mit Gegenspielern, die erst Mitte 30 sind. Wie machen Sie das?
Mill: „Mit Instinkt, mit Auge, mit Cleverness – also genauso wie früher. Nur alles viel langsamer. Nein, ehrlich, ich passe auf mich auf. Wenn es irgendwo zwickt, bleibe ich draußen. Demnächst sind wir bei einem Turnier in Kitzbühel. Dort bin ich dabei.“

Und treffen vielleicht Franz Beckenbauer, der Sie in seinem ersten Auftritt als Bundestrainer in sein Team holte?
Mill: „Ja, das war 1984 in Düsseldorf. Ging 1:3 verloren. Ich glaube, ich hatte nicht eine einzige Torchance.“

Wir wurden Weltmeister, aber meine Freude darüber blieb eine Freude auf Sparflamme. (über die WM 1990)

Trotzdem hat er Sie 1990 mit zur WM in Italien genommen. Wie fühlten Sie sich damals?
Mill: „Zwei Jahre zuvor bei Olympia in Seoul sind mir ein paar wichtige Tore gelungen, so dass wir Bronze holten. Da hat der Franz wohl gedacht: Der Mill ist ein guter Turnierspieler. Den nehmen wir mal ruhig mit.“

Und dann aber nicht eingesetzt…
Mill: „Nee, hat er nicht. Wir wurden Weltmeister, doch meine Freude darüber blieb eine Freude auf Sparflamme. Nicht eine Minute hat er mich reingeworfen. Das war hart, in jedem Match hintendran zu sein. Sich immer und immer wieder warm zu laufen und dennoch ohne Einsatz zu bleiben. Franz hat bestimmt gemerkt, dass ich stinkesauer war. Anderseits: Die anderen Stürmer waren verdammt gut damals: Völler, Klinsmann, Litti hatten Topform.“

Was ich in meiner Laufbahn herausgeschunden habe, das war schon meisterlich. (über seine Fallsucht)

1990 liegt genau in der Mitte Ihrer acht Jahre bei Borussia Dortmund. Für die einen waren Sie seit dem Ausscheiden von Klaus Fischer Stürmer Nr. 1 im ganzen Pott, für viele andere aber vor allem das größte Schlitzohr der Bundesliga. Wie lebt es sich mit diesem Image?
Mill: „Ich glaube, der Begriff ‚Schlitzohr‘ ist ein Kompliment. Und so artig heißt ja auch meine Biographie, die vor anderthalb Jahren erschien. Eine Sammlung lustiger Fußballgeschichten. Heute gehe ich ein paar Schritte weiter und behaupte: Ich war ein richtiges Miststück.“

Sie erinnern an Ihre viel zitierte Fallsucht?
Mill: „Was ich in meiner Laufbahn herausgeschunden habe, das war schon meisterlich. Ich ging immer Eins-gegen-Eins mitten hinein in die Gegenspieler und wenn dann das lange Bein kam – schwupp – lag ich schon unten. Ich befürchte, dass die Hälfte der von mir herausgeholten Elfer dem heutigen Videobeweis nicht standhalten würden.“

Dennoch tragen Ihre Gegenspieler Ihnen offenbar nichts nach. Alle beschreiben Sie als fairen Sportsmann…
Mill: „Dann war ich darin vielleicht so perfekt, dass sie es nicht einmal gemerkt haben (lacht). Ja, in der Tat hat mir niemals ein Gegenspieler nach dem Match das Shakehand ausgeschlagen.“

Heynckes ist neben Hitzfeld der beste Trainer, den ich je hatte. (über die Trainer in seiner Karriere)

Doch Knatsch gab es mal mit Jupp Heynckes in Mönchengladbach. Was war da los?
Mill: „Ganz am Ende meiner fünf Gladbacher Jahre war das. Wir schieden gegen Real Madrid im Europacup aus und unsere sportliche Leitung, also Heynckes und Geschäftsführer Grashoff, stempelten mich zum Schuldigen. Da ich das anders beurteilt habe, war der Zeitpunkt gekommen, um zu gehen. Und trotzdem betone ich immer gern: Heynckes ist neben Hitzfeld, mit dem ich in Dortmund Vizemeister wurde, der beste Trainer, den ich je hatte.“

Wären Sie nicht beinahe auf Schalke gelandet, statt in Dortmund?
Mill: „Stimmt. Schalkes Klubchef Eichberg hatte von meinem Ärger am Bökelberg eher Wind bekommen als die Dortmunder. Doch mein inneres Ich sagte mir: ‚Achtung, Francky, Du bist und bleibst ein Essener Junge.‘ Da geht man nicht nach Schalke. Diese Rivalität ist extrem. Übrigens heute noch.“

Frank Mill im RWE-Dress.
Im Trikot von Rot-Weiss Essen begann einst Frank Mills Karriere. ©imago images/Werner Otto

Ja, in Essen fing 1976 einst alles an im Profifußball. Mit Hrubesch und Lippens hatten Sie großartige Lehrmeister…
Mill: „Das kann ich Ihnen sagen: Diese beiden echten Typen waren großes Glück für mich. Vom Langen habe ich viel gelernt über das Positionieren vor dem gegnerischen Tor, vor allem bei Standards. Und Ente hat mir beigebracht, wie man Finten legt und clever zu Boden geht.“

Inzwischen hat Essen ein schönes Stadion. Gehen Sie hin?
Mill: „Wenn ich bei RWE dabei bin, dann ist auch meine Mutter dabei. Sie hätte sich wahrscheinlich gewünscht, dass ich diesen Verein nie verlasse, so sehr hängt sie an ihm. Endlich sieht es ja mal wieder sportlich ganz gut aus. Mit Titz haben sie eine gute Persönlichkeit als Trainer.“

Wie schneiden Ihre anderen Klubs aktuell ab: Ist irgendwo jemand an Bord, der Ihr Fußballherz zum Hüpfen bringt?
Mill: „Ich fühle mich in erster Linie als Borusse und freue mich über jeden Sieg des aktuellen Teams. Die Offensive mit Reus, Alcacer, Brandt, Sancho und Co. ist großartig und mindestens für einen Titel gut genug. Gegen Barcelona werde ich im Stadion sein. Danach wissen wir vielleicht schon ein wenig mehr, wohin die sportliche Reise in dieser neuen Spielzeit gehen kann.“

Frank Mill, vielen Dank für Ihre Einblicke und möge Ihr Optimismus zur Dortmunder Mannschaft Wirklichkeit werden…

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