Spielbericht Deutschland – Armenien

Generalprobe geglückt. Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr letztes Testspiel vor der WM mit 6:1 gewonnen, tat sich dabei aber schwerer als erwartet. Nach schwacher erster Hälfte drehte die DFB-Elf in den letzten 20 Minuten richtig auf und tankte kräftig Selbstbewusstsein. Überschattet wurde der deutliche Sieg von der Verletzung Marco Reus‘, der mit Verdacht auf Bänderverletzung ins Krankenhaus musste.

Bundestrainer Joachim Löw tauschte sein Team gegenüber dem 2:2 gegen Kamerun auf drei Positionen. Für Özil, Götze und Durm spielten Lahm, Schürrle sowie Höwedes. Kapitän Lahm nahm die Kroos-Position auf der Doppelsechs ein, während Kroos auf die Zehn rückte. Müller durfte im Sturm-Zentrum ran, flankiert von den beiden Außen Reus und Schürrle.

Reus läuft, schießt und bangt

WM-Traum geplatzt? Marco Reus (l.) knickt um und verletzt sich am Sprunggelenk. Getty Images

Gegen das international eher zweitklassig einzustufende Armenien hatte Schürrle die erste Chance der Partie, köpfte nach Lahm-Flanke jedoch klar am Kasten vorbei (9.). Kurz darauf bediente Müller den startenden Reus. Der Dortmunder tunnelte Armeniens Kepper, doch ein Abwehrspieler kratzte das Leder noch von der Linie (13.). In der Folge taten sich die Deutschen jedoch schwer und kamen nur zu 2 weiteren nennenswerten Chancen vor der Pause. Boateng köpfte nach Reus-Ecke knapp vorbei, ehe Müller den auffälligen Borussen Reus erneut auf die Reise schickte. Wieder wollte er den Torwart tunneln, doch diesmal machte Beresowski die Beine zu und vereitelte die Chance (30.). Kurz vor dem Seitenpfiff der Schockmoment für WM-Favorit Deutschland. Marco Reus knickte unglücklich um und musste – von Ärzten gestützt – humpelnd den Platz verlassen. Ersten Diagnosen zufolge handelt es sich um eine Sprunggelenksverletzung.

Mit dem für Reus in die Partie gekommenden Podolski sowie dem zur 2. Halbzeit eingewechselten Özil wurde das deutsche Spiel merklich besser. Toni Kroos bediente den über links durchlaufenden Podolski, dessen scharfe Hereingabe André Schürrle sehenswert per Hacke zum 1:0 verwandelte (52.) Sami Khedria mit Flachschuss und Boateng per fulminantem 20-Meter-Versuch hätten die Führung ausbauen können, zielten aber zu ungenau. Nach 68 Minuten brachte Löw Kevin Großkreutz und der Joker stach zu. Doch anders als erhofft. Nach plumpem Foul entschied der Schiedsrichter zurecht auf Elfmeter, den Armeniens Superstar Henrikh Mkhitaryan sicher verwandelte.

Poldi läutet das Schlussfeuerwerk ein

Kein Grund zum Ärgern. Andre Schürrle (r.) rechtfertigte seinen Einsatz mit dem Tor zum 1:0. Getty Images

Mit einem Unentschieden wollte sich die DFB-Elf aber nicht von den eigenen Fans verabschieden und zeigte in der Schlussphase noch einmal alles, was sie vorher schuldig blieb. Özil spielte Podolski frei, der aus spitzem Winkel die erneute Führung markierte (71.). Keine zwei Minuten später sah der eingewechselte Schweinsteiger den aufgerückten Linksverteidiger Höwedes, der im zweiten Versuch auf 3:1 erhöhte. In der 76. Minute wurde es historisch. Nach Flanke von Podolski köpfte Miroslav Klose mit seinem 69. Länderspieltreffer zum 4:1 ein und wurde damit alleiniger Rekordtorschütze. Die Schlusspunkte waren Mario Götze vorbehalten. In der 75. Minute für Schürrle gekommen, markierte der Münchener nach Vorarbeit von Podolski sowie Klose das 5. und 6. Tor, ehe die sichtlich erschöpften Armenier vom Schlusspfiff des Schiedsrichters erlöst wurden.

Fazit zu Deutschland – Armenien am 06.06.2014

Mit einer deutlichen Leistungssteigerung in Durchgang Zwei sicherte sich die deutsche Mannschaft einen verdienten Sieg, der angesichts des schwachen Gegners nicht überbewertet werden darf. Gerade in der ersten Halbzeit offenbarte Deutschland einige Defizite im Spiel nach vorne. Erst die Einwechslung von Lukas Podolski brachte neuen Schwung. Mit einem Tor und drei Vorlagen darf sich „Poldi“ als großer Gewinner der Partie sehen und – auch wegen der Verletzung von Konkurrent Reus – berechtige Hoffnung auf einen Startelf-Einsatz zum WM-Auftakt gegen Portugal machen.