Rückblick auf die WM 2014 in Brasilien

64 spannende Spiele, 171 Tore und ein verdienter Weltmeister – Die WM 2014 war – nicht nur aus deutscher Sicht – ein voller Erfolg. Mit einem 1:0 nach Verlängerung setzte sich die DFB-Elf im  Finale gegen Argentinien durch und darf den 4. Titel ihrer Geschichte feiern. Das durch den goldenen Treffer von Mario Götze entschiedene Endspiel war der Schlussakkord eines 32tägigen Fußball-Fests mit Höhepunkten, Enttäuschungen und Überraschungen.

Wettmaxx.com analyisert die 20. FIFA Weltmeisterschaft, blickt auf Haupt-Darsteller zurück und präsentiert besondere Momente, die noch lange im Gedächtnis aller Fußballfans weltweit bleiben werden.

Der Weg zum Titel

Da ist das Ding. Bastian Schweinsteiger und Deutschland feiern mit dem WM-Pokal. Getty Images

24 Jahre musste sich Deutschland auf den Titel gedulden, ehe es in Brasilien endlich zum 4. Mal Weltmeister wurde. Einem spektakulären 4:0-Auftaktsieg über Portugal folgten zwar 2 schwächere Auftritte gegen Ghana sowie die USA, doch ab der K.O-Phase konnte sich die DFB-Truppe steigern. Gab es zunächst noch ein mühsames 2:1 über Algerien, fand Bundestrainer Löw zum Viertelfinale gegen Frankreich sein Erfolgsrezept. Phlipp Lahm rückte in der Viererkette wieder auf die rechte Außenverteidiger-Position, innen ersetzte Löw Mertesacker durch Boateng und auf der Doppelsechs gaben Khedira und Schweinsteiger fortan den Takt an. Als großes Plus erwies sich zudem die Standard-Stärke. Insgesamt 5 Treffer erzielte das Team nach ruhenden Bällen. Offensiv wussten vor allem Kroos und Müller zu überzeugen. Der als ewiges Talent gepriesene Kroos blühte in Brasilien regelrecht auf und avancierte mit punktgenauen Zuspielen zu einem der besten WM-Spieler. Müller, 2010 schon Torschützenkönig, verpasste seine Titelverteidigung um einen Treffer, sorgte mit seiner unberechenbaren Spielweise aber für mächtig Belebung. Miroslav Klose erhöhte sein WM-Tor-Konto auf insgesamt 16 und darf sich nun alleiniger Rekordschütze nennen. Ein weiterer Schlüssel zum Titelgewinn waren die von Löw deklarierten „Spezialkräfte“. Die Einwechselspieler brachten stets neuen Schwung und entschieden letztlich auch das WM-Finale. ‚Joker‘ Schürrle bediente den anderen ‚Neuen‘ Götze, dem der goldene Treffer vorbehalten war.

Schürrle, Götze, Tor – die Entscheidung im WM-Finale

Goldener Treffer. Mario Götze (l.) markiert das 1:0 im WM-Finale gegen Argentinien. Getty Images

Die 113. Minute im Endspiel um die Weltmeisterschaft. Es steht zwischen Deutschland und Argentinien 0:0. Beide Mannschaften haben gekämpft, gute Chancen vergeben und steuern nun auf die Nerven-Lotterie Elfmeterschießen zu. André Schürrle will nicht länger warten, setzt sich über dem linken Flügel gegen zwei Gegenspieler durch und hat das Auge für Götze. Seine Hereingabe findet den Bayern-Star, der das Leder technisch gekonnt mit der Brust annimmt und sehenswert direkt abschließt. Gaucho-Keeper Romero hat keine Chance. Der Ball zappelt im Netz. Rio de Janeiro ist in schwarz-rot-goldener Hand. Deutschland feiert den Führungstreffer. Noch ist nicht Schluss. 7 Minuten plus Nachspielzeit. Durchhalten. Die letzte Aktion. 122.Minute. Freistoß für Argentinien. Lionel Messi legt sich das Leder zurecht. Er wird doch nicht etwa…? Nein, drüber. Das muss es gewesen sein. Schiedsrichter Rizzoli lässt die Deutschen noch zappeln. Doch dann. Das Spiel ist aus. Deutschland am Ziel seiner Träume. Endlich wieder Weltmeister.

Die WM-Überraschung

England, Italien, Uruguay – gleich mit 3 ehemaligen Weltmeistern bekam es Costa Rica in der Vorrunde zu tun. Im Vorfeld als krasser Außenseiter gehandelt, überraschten die ‚Ticos‘ gleich zum Auftakt und bezwangen die ‚Urus‘ mit 3:1, ehe sie sich anschließend mit 1:0 gegen die Italiener durchsetzten. Mit Keylor Navas im Tor hatten die Mittel-Amerikaner neben Manuel Neuer den wohl besten WM-Keeper in ihren Reihen, der nicht nur beim 0:0 gegen England stark hielt, sondern im Achtelfinale gegen Griechenland Heldenstatus bekommen sollte. Beim Spielstand von 1:1 rettete Navas sein Team in der Nachspielzeit der Verlängerung mit einer Glanzparade ins Elfmeterschießen, in dem er anschließend den entscheidenden Versuch vom Punkt abwehrte. In der Runde der letzten Acht verlangte Costa Rica auch Holland alles ab, schied nach erneutem Elfmeterschießen zwar aus, darf sich aber zurecht als ein großer Gewinner dieser WM sehen.

Die Enttäuschung(en) des Turniers

Untröstlich. Brasiliens David Luiz (l.) und der gesperrte Thiago Silva nach dem 1:7 gegen Deutschland. Getty Images

Sie galten große Titel-Favoriten und sind kläglich gescheitert: Spanien und Brasilien. Während die iberischen Hoffnungen auf einen erneuten WM-Coup bereits bei der 1:5-Auftakt-Klatsche gegen Holland und dem folgenden 0:2 gegen Chile starben, schien der brasilianische Traum in kleinen Etappen zu platzen. Einem glücklichen Sieg im Eröffnungsspiel gegen Kroatien folgte ein mühsames 0:0 gegen Mexiko, ehe mit dem 4:1 der Gruppensieg eingefahren wurde. Doch bei aller Euphorie der Brasilianer fiel schnell auf, dass ihr Spiel nur aus 1 Komponente besteht: Superstar Neymar. Alle anderen Akteure schienen sich hinter dem 22jährigen Angreifer zu verstrecken und strahlten kaum Torgefahr aus. Nach dem Zittersieg in der ersten K.O-Runde über Chile stand die ganze Nation trotz des Viertelfinal-Erfolgs gegen Kolumbien unter Schock. Neymar verletzte sich schwer. WM-Aus. Die ‚Selecao‘ kündigte an, in der Vorschlussrunde für ihren Star zu spielen. Das Ergebnis: Ein Debakel historischen Ausmaß‘. Mit 1:7 wurde der Gastgeber von Deutschland vorgeführt und hatte dabei noch Glück, dass die DFB-Elf in Hälfte 2 Gnade walten ließ – ansonsten hätte es gut und gerne zweistellig werden können. Den Schlusspunkt einer enttäuschenden WM lieferte Brasilien dann im Spiel um Platz 3, als man sich fast wehrlos den Holländern ergab und mit 0:3 die nächste Pleite kassierte.

Facts zur WM 2014

  • Im Schnitt 2,7-Tore pro Spiel
  • ZuschauerØ 53.592
  • Meiste Tore: James Rodriguez (Kolumbien) 6
  • Meisten gelben Karten: Thiago Silva (Brasilien (3)
  • Meisten Vorlagen: Kroos (Deutschland) und Cuadrado (Kolumbien) je 4

Der beste WM-Spieler

Über die Auszeichnung mit dem Goldenen Ball als bester WM-Spieler konnte sich Lionel Messi kaum freuen. Zu tief saß die Enttäuschung nach dem verloren gegangenen Finale gegen Deutschland. Dass der argentinische Superstar überhaupt zum besten Akteur des Turniers auserkoren wurde, sorgte für Kontroversen unter Experten, Fans und Medien. Ohne Zweifel dominierte Messi in der Vorrunde das Spiel der Südamerikaner, setzte sich mit 4 Treffern an die Spitze der Torjägerliste und führte die ‚Albicelste‘ fast im Alleingang in die nächste Runde. Doch in der K.O-Phase büßte Messi seine Torgefahr ein, war zwar an allen weiteren Treffern der Argentinier beteiligt, tauchte aber auch mehr und mehr ab. Andere Spieler wie Hollands Arjen Robben oder die Weltmeister Thomas Müller und Manuel Neuer hätten die Auszeichnung sicher eher verdient, spielten sie doch in allen Partien auf hohem Niveau.

WM-Auszeichnungen

AuszeichnungSpielerTeamSpieleAbschneiden d. Teams
Goldener Schuh
(bester Torschütze)
James RodriguezKolumbien5Viertelfinale
Goldener Ball
(bester Spieler)
Lionel MessiArgentinien7Vize-Weltmeister
Goldener Handschuh
(bester Torwart)
Manuel NeuerDeutschland7Weltmeister
Bester Junger SpielerPaul PogbaFrankreich5Viertelfinale

Durchgebissen – der WM-Skandal

Folgen der Biss-Attacke. Chiellini zeigt die Spuren während Täter Suarez seine Zähne richtet. Getty Images

Der unrühmliche Höhepunkt der Weltmeisterschaft war Luis Suarez vorbehalten. Bei der Auftaktpleite gegen Costa Rica schmerzlich vermisst, avancierte der exzentrische Angreifer mit seinem Doppelpack gegen England zum Hoffnungsträger. Gegen Italien wollte sich Uruguay mit einem weiteren Sieg dann durchbeißen, was Suarez jedoch zu wörtlich nahm und seine Zähne in die Schulter von Gegenspieler Chiellini rammte. Trotz des zu erkennenden Abdrucks wurde Suarez vom Schiedsrichter nicht bestraft. Erst im Nachgang konnte der ‚Beißer‘ durch TV-Bilder von der FIFA überführt werden. Die Strafe: 9 WM-/Qualifkationsspiele und 4 Monate Sperre. In England dürften die Abwehrspieler froh sein, dass Suarez auch nach seiner Sperre nicht mehr auf der Insel kickt. Der FC Barcelona hat sich die Dienste des Torjägers gesichert und ihn vom FC Liverpool abgeworben.

Neue Technik hilft – alte Fehler bleiben

Nicht schön, aber effektiv. Die Schiedsrichter griffen bei der WM oft zum Freistoß-Spray. Getty Images

Freistoß-Spray und Torlinien-Technologie – die Neu-Einführungen der FIFA haben sich bei der WM bewährt. Anfangs belächelt wenn die Schiedsrichter vor der Freistoß-Mauer eine Schaum-Linie ziehen, sind mittlerweile selbst kritische Stimmen vom Einsatz dieses Mittels überzeugt. Mit der Linie, die nach kurzer Zeit wieder verschwindet, wird der Mindestabstand der Mauer nicht mehr überschritten. Szenen wie das Wembley-Tor 1966 gehören auch der Vergangenheit an. Nach erfolgreicher General-Probe beim Confed CUP 2013 kam die Torlinien-Technologie bei der WM zum Einsatz und unterstützte die Unparteiischen bei der Frage „Tor oder Nicht-Tor“. Die erfolgreichen technischen Hilfsmittel können allerdings nicht über die schwachen Leistungen der Schiedsrichter hinweg täuschen. Eine Reihe zu Unrecht gegebener Elfmeter, falsche Abseitsentscheidungen sowie nicht geahndete Fouls sorgten bei Fans und Spieler zurecht für viel Unmut. Verständlich, dass der ehemalige Weltklasse-Unparteiische Urs Meier die Einführung der Profi-Schiedsrichter fordert, die besser ausgebildet werden.

Fazit zur WM 2014 in Brasilien

Die WM 2014 war das erhoffte Spektakel – wenngleich der Gastgeber auf einen anderen Turnier-Verlauf gehofft hat. So genannte ‚kleine‘ Mannschaften wie Costa Rica oder Algerien überraschten, während für die Favoriten aus Spanien, England und Italien schon nach der Vorrunde Schluss war. Deutschland steigerte sich von Spiel zu Spiel und schoss sich im Halbfinale gegen Brasilien mit 7:1 in neue Sphären. Trotz heißer Temperaturen zeigten nahezu alle Mannschaften starke Physis und hohes Niveau, was im Vorfeld durchaus bezweifelt wurde. Dank größter Leidenschaft und unbändigem Siegeswille hat es Deutschland in einem ausgeglichenen Finale schließlich geschafft, den Titel einzufahren und einen historischen Triumph geschafft. Zum ersten Mal wurde eine europäische Mannschaft auf dem südamerikanischen Kontinent Weltmeister.