Review: FC Sevilla – Benfica Lissabon

Der Guttmann-Fluch hat weiterhin Bestand. Benfica Lissabon hat nach dem zweimaligen Gewinn des Europapokals der Landesmeister in den Jahren 1961 und 1962 das achte internationale Finale in Folge verloren. Die Prophezeiung des ungarischen Trainers Bela Guttmann, der bei den Triumphen zu Beginn der 60er-Jahre auf der Benfica-Bank saß und dem Klub nach seinem Abschied in Folge eines Streits um eine ausbleibende Gehaltserhöhung 100 Jahre ohne europäischen Titel ankündigte, hielt auch gegen den FC Sevilla an. Nach torlosen 120 Minuten im Finale der Europa League 2014 verlor Benfica das Elfmeterschießen mit 2:4.

Umkämpfter Beginn

Benficas Amorim (r.) übersteigt die Grenzen des Erlaubten und foult seinen Gegenspieler Reyes. Getty Images

Vor 33.120 Zuschauern in der Juventus Arena in Turin waren Highlights im ersten Durchgang bis wenige Minuten vor der Pause Fehlanzeige. Beide Mannschaften verteidigten geschickt, lieferten sich packende Zweikämpfe und ließen dem Gegner kaum Räume. Nach vorne brachte aber weder Benfica noch Sevilla Produktives zustande. Dies änderte sich erst in den Minuten vor dem Seitenwechsel, als Benfica durch Maxi Pereira, Rodrigo und Nicolas Gaitan gleich dreimal die Führung auf dem Fuß hatte. Im zweiten Durchgang entwickelte sich eine unterhaltsame Begegnung, die phasenweise sogar zu einem offenen Schlagabtausch geriet.

Die Vorteile lagen dabei weiterhin auf Seiten von Benfica, das allerdings die sich bietenden Gelegenheiten nicht nutzen konnte. Mehrfach bekam noch ein Sevilla-Verteidiger das Bein dazwischen und konnte eigentlich vielversprechende Torschüsse blocken. Und ging ein Ball doch einmal durch, war Torhüter Beto zur Stelle. Lediglich einmal war Sevillas Schlussmann geschlagen, konnte sich in der 49. Minute aber auf seinen Innenverteidiger Nicolas Pareja verlassen, der einen Schuss von Lima auf der Linie klärte. Sevilla ergriff selbst aber auch verstärkt die Initiative und hatte nach rund einer Stunde seine beste Phase, als vorübergehend sogar die Führung der Andalusier in der Luft lag. Letztlich konnte sich Benfica nach der kurzen Drangphase Sevillas aber wieder befreien und in der Schlussphase das Kommando übernehmen, während die Spanier sich vermehrt auf Konter verlegten. Das erhoffte Siegtor sollte aber weder hüben wie drüben fallen.

Beto avanciert zum Helden

Elfer-Killer. Sevilla-Keeper Beto macht sich lang und pariert den Elfmeter von Benficas Cardozo. Getty Images

In der Verlängerung setzten beide Mannschaften zunächst auf Sicherheit. Fast aus dem Nichts schickte Rakitic aber in der 102. Minute mit einem Traumpass auf die Reise, doch der alleine auf Schlussmann Jan Oblak zulaufende Kolumbianer zielte aus spitzem Winkel per Außenrist am Benfica-Kasten vorbei. Ansonsten waren Highlights in den 30 Minuten der Verlängerung Mangelware. Stattdessen prägten viele kleine Fouls und einige Behandlungspausen wegen Krämpfen die Begegnung, die folgerichtig ins Elfmeterschießen ging. In diesem avancierte Sevillas Keeper Beto zum Helden, der die Elfmeter von Oscar Cardozo und Rodrigo parieren konnte. Weil sich die ersten vier Sevilla-Schützen – Carlos Bacca, Stephane Mbia, Coke und Kevin Gameiro – keine Blöße gaben, war das Duell bereits vor dem fünften Elfmeter entschieden.

Fazit zu FC Sevilla – Benfica Lissabon am 14.05.2014

Der FC Sevilla hat die spanische Dominanz in Europa unterstrichen. Während Real und Atletico Madrid den Sieger der Champions League im Stadtduell unter sich ausmachen, haben die Andalusier mit etwas Glück zum dritten Mal nach 2006 und 2007 die Europa League gewonnen. Benfica verlor das zweite Finale in zwei Jahren und stellte erneut nicht die schlechtere Mannschaft. Doch wie schon im letzten Jahr beim 1:2 gegen den FC Chelsea fehlte es den Portugiesen wieder an der nötigen Effektivität vor dem Tor und letztlich auch am nötigen Quäntchen Glück – der Guttmann-Fluch hält weiter an.