Review: Hannover – Stuttgart

In einem extrem chancenarmen und wenig sehenswerten Freitagabendspiel trennten sich Hannover 96 und der VfB Stuttgart mit einem torlosen 0:0. Vor allem die Gastgeber enttäuschten auf ganzer Linie, während Stuttgart spielerische Überlegenheit und zumindest etwas höhere Durchschlagskraft nachwies. Für den VfB könnte der Punkt im Kampf um den Klassenerhalt noch wertvoll werden, das Polster auf den Relegationsplatz beträgt nun vorerst fünf Zähler. Hannover kann sich bereits über ein weiteres Jahr Bundesliga freuen – dass die Niedersachsen noch wegen des Torverhältnisses absteigen müssen grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit.

Schon die ersten Augenblicke vor ausverkaufter HDI-Arena in Hannover waren von vielen Unsauberkeiten im Passspiel geprägt – sowohl bei 96 als auch beim VfB. Die Gäste hatten trotz dieses Makels in Person von Daniel Didavi die erste Torgelegenheit. Nach wunderbarem Doppelpass mit Ibrahima Traore zog der 24-Jährige im Strafraum ab, verfehlte das kurze Eck nur knapp (6.). Stuttgart wirkte zielstrebiger und war mit höherer Ballsicherheit ausgestattet, Hannovers Offensivspiel holperte beträchtlich. So kam der VfB – diesmal durch Traore – auch zum nächsten gefährlichen Abschluss. Der Linksschuss des Flügelflitzers landete sogar im Netz, zuvor hatte Cacau allerdings aus deutlicher Abseitsposition entscheidend abgefälscht (16.).

Armut an Highlights

Zweikämpfe wie zwischen Stuttgarts Rüdiger (l.) und Hannovers Ya Konan prägten das Geschehen. Getty Images

Defensiv hatten die Schwaben dank ausgfeiltem und sehr diszipliniert umgesetztem 4-2-3-1-System keinerlei Probleme, biedere 96er von der eigenen Gefahrenzone fernzuhalten. Überdies erkämpfte sich Stuttgart die Vorherrschaft in den Zweikämpfen – rückte dabei nach vorne aber nicht entschlossen genug nach. So pendelte sich das Geschehen weitgehend im Mittelfed ein – und es gesellte sich lediglich ein harmloser Kopfball von Leon Andreasen auf den recht spärlich besetzten Zettel für Situationen in Tornähe (43.). Es war die einzige annähernd durchdringende Abschlussaktion der Niedersachsen im ersten Durchgang. Kurz zuvor hatte Hannover Glück, dass Schiedsrichter Wolfgang Stark einen Strafraum-Rempler von Marcelo gegen Didavi nicht mit einem durchaus möglichen Elfmeterpfiff belegte (41.).

Stuttgart trifft die Kiste nicht

Nur selten schaltete sich Hannovers Rechtsverteidiger Hiroki Sakai (r.) in das Angriffsspiel ein. Getty Images

Nach Wiederanpfiff ging Hannover zunächst mit mehr Mumm zu Werke: Eine der wenigen gelungenen Kombinationen setzte Szabolczs Huszti in Szene, der aus acht Metern allerdings nur das Außennetz traf (47.). Es blieb ein Strohfeuer. Und auf der Gegenseite folgte die bis dato größte Chance der Partie: Didavi und Gotoku Sakai hatten sich technisch sehenswert auf links durchgespielt, Didavis scharfe Hereingabe fand Cacau. Der ehemalige deutsche Nationalspieler hielt aus fünf Metern den Fuß hin, konnte die Kugel aber nicht aufs Tor bugsieren (53.). Am Gesamtbild des Geschehens änderte sich derweil nichts. Hannover agierte erschreckend harmlos und fehlerhaft, der VfB war optisch zwar weiterhin die überlegene Mannschaft – streute allerdings zunehmend Ungereimtheiten in sein Passspiel ein. Daher wurde die Angelegenheit zäher und zäher, lediglich ein 25-Meter-Freistoß von Didavi in die Arme von Zieler fiel auf (76.) – und war eigentlich doch harmlos. Alles andere als harmlos ging es kurz vor dem Schlusspfiff im Stuttgarter Strafraum zu – wie aus dem Nichts: Lars Stindl setzte sich gut durch und schloss flach ab, Sven Ulreich rettete Stuttgart mit gekonnter Fußabwehr das Unentschieden (88.).

Fazit zu Hannover 96 – VfB Stuttgart vom 25.04.2014

Hannover lieferte ein fußballerisches Armutszeugnis ab. Klar, Stuttgart setzte Stevens‘ defensive Marschroute sehr diszipliniert um, verteidigte geschickt. Doch etwas mehr Inspiration hätte 96 zeigen können, erst in der 88. Minute hatte Stindl die einzige echte Torgelegenheit. Der VfB zeigte indes ein ordentliches Auswärtsspiel, war über 90 Minuten die spielerisch überlegene Mannschaft und sorgte für die wenigen Glanzmomente der Partie. So vergab Cacau kurz nach der Pause freistehend aus wenigen Metern die Führung. Im absoluten Endspurt müssen die Schwaben nun weiterhin zittern und werden sicher auch am Sonntag gen Augsburg blicken, wo der Konkurrent aus Hamburg antritt.