Review: Hannover 96 – Hamburger SV

Das im Vorfeld der Partie von Mirko Slomka ausgerufene „Überholspiel“ wurde von couragierten Niedersachsen boykottiert. Die Mannschaft des ehemaligen 96-Trainers verlor am Ende verdient mit 1:2 gegen die Hausherren aus Hannover. Im Gegensatz zum HSV konnten sich diese mit den drei gewonnen Punkten wieder Luft im Abstiegskampf verschaffen, während die Hanseaten dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte bedrohlich nahe kommen.

Harmloser HSV

HSV-Keeper Adler streckt sich vergeblich. Stindls Kopfball schlägt zum 1:0 in den Maschen ein. Getty Images

Wer nach dem Sieg über Leverkusen eine leidenschaftlich kämpfende Mannschaft aus Hamburg erwartet hatte, wurde in der ersten Halbzeit zutiefst enttäuscht. Es spielte nur eine Mannschaft und das war der HSV aus Hannover. Die Niedersachsen kontrollierten von Beginn an die Partie. Folgerichtig hatten die 96er auch die ersten Chancen. Eine Flanke von Edgar Prib verwerte der sträflich freigelassene Kapitän Lars Stindl dann bereits in der 9. Minute per Kopf. Einen weiteren Rückschlag mussten die Hamburger nach etwas mehr als einer Viertelstunde hinnehmen, als Linksverteidiger Heiko Westermann mit Adduktorenproblemen ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Ivo Ilicevic (17.). Die Gastgeber übten weiterhin den Druck aus, während Hamburg viel zu harmlos agierte. Häufig fehlte der letzte Schritt zum Gegenspieler, sodass Hannover die Freiräume für Torchancen nutzen konnte. In der Folge verhinderten lediglich das Knie von Rafael van der Vaart auf der Torlinie gegen einen Kopfball Ya Konan (26.) und der linke Pfosten nach Schuss von Leonardo Bittencourt (31.) einen höheren Rückstand.

Zu allem Überfluss mussten auch noch van der Vaart nach dem Seitenwechsel mit einer Zerrung in der Kabine bleiben. Maggio lief für ihn auf das Feld. Er und sein Team begannen den zweiten Durchgang aber mit mehr Elan als in den ersten 45 Minuten. Ein Freistoß in der Nähe des Strafraums nach drei Minuten war dann eine Angelegenheit für den Spezialisten Hakan Calhanoglu. Die durch Zoua gerissene Lücke in der Mauer nutzte dieser für den 1:1-Ausgleich per direktem Freistoßtreffer – der vierte in der Saison und damit Ligabestwert. Die Hanseaten konnten in der Folge etwas selbstbewusster auftreten. Die nächsten Chancen hatten allerdings wiederum die Gastgeber. René Adler hielt den Kasten aber ebenso sauber (62., 63.) wie auf der anderen Seite Ron-Robert Zieler (70., 75.).

Hamburg-Leihgabe wird zum Verhängnis

Der Siegtreffer. Didier Ya Konan (r.) markiert aus kurzer Distanz das 2:1 für Hannover. Getty Images

Den entscheidenden Schlusspunkt der Partie leitete ausgerechnet, die in der 83. Minute eingewechselte Hamburger Leihgabe, Artjoms Rudnevs ein. Seinen Schuss konnte Johan Djourou zwar noch klären, aber der Nachschuss von Ya Konan landete dann doch im Netz (86.). Der umjubelte 2:1-Siegtreffer war – wenn auch verdient – irregulär, da Rudnevs beim entscheidenden Pass von Leon Andreasen im Abseits stand. Mit 31 zu 5 Torschüssen ist das Ergebnis aber gerechtfertigt. Die 96er haben besonders in der ersten Halbzeit zahlreiche Chancen liegengelassen und dadurch erst für weitere Spannung gesorgt. Die Beschreibung „schlechter, pomadiger Auftritt“ des HSV-Manager Oliver Kreuzer nach dem Spiel ist aber durchaus treffend für die Hanseaten, die nicht an die Leistungen des vergangenen Spiels gegen Leverkusen (2:1) anknüpfen konnten.

Fazit zum Spiel Hannover 96 – Hamburger SV vom 12.04.14

Der HSV kassierte bereits die siebte Auswärtsniederlage in Folge und stellt mit 17 Niederlagen in dieser Spielzeit einen vereinsinternen Negativrekord auf. Als nächstes treffen die Hanseaten auf den VfL Wolfsburg (19.04.2014, 18.30 Uhr, live bei Sky) und können in diesem Spiel sowie gegen Augsburg, München und Mainz noch den drohenden Abstieg abwenden. Auf der anderen Seite war 96-Manager Dirk Dufner nach dem Spiel erfüllt von Lob für seine Mannschaft („Wie die Mannschaft das gemacht hat, einfach klasse.“) und seinen Kapitän Stindl („beste Halbzeit, die ich je von ihm gesehen habe.“). Zudem erwartet die Niedersachsen mit Frankfurt (17.04.2014, 20.30 Uhr, live bei Sky) sowie den direkten Konkurrenten Stuttgart, Nürnberg und Freiburg das vermeintlich leichtere Restprogramm.