Review: Dresden – Bielefeld

Wahnsinniges Drama im Glücksgas-Stadion! Ein jederzeit rassiges, kämpferisch hochklassiges und vor kuriosen Wendungen strotzendes Abstiegs-Endspiel verlor Dynamo Dresden mit 2:3 (0:1) gegen Arminia Bielefeld. Damit treten die Sachsen den bitteren Gang in die Dritte Liga an, während Bielefeld weiterhin auf den Klassenerhalt in der Relegation hoffen darf.

Trotz der enormen Bedeutung zeigten beide Teams einer abwartenden Grundhaltung die kalte Schulter. Dabei gelang es den Gastgebern rascher, ihre Entschlossenheit in substantielle Aktionen umzumünzen: Robert Koch fühlte aus 20 Metern erstmals vor, konnte Arminia-Keeper Stefan Ortega jedoch nicht in die Bredouille bringen (5.). Bielefeld fand derweil nur allmählich Zugang zur Partie, ließ dann aber die gefährlichste Aktion der Anfangsviertelstunde folgen: Stoßstürmer Fabian Klos behauptete den Ball nach weit getretenem Freistoß im Strafraum und schloss trocken ab – lediglich der Außenpfosten stand im Weg (13.).

Hübener fliegt – doch Klos trifft!

Der erste Streich. Fabian Klos (l.) zieht ab und trifft zur 1:0-Führung der Arminia. Getty Images

In der Folge war leidenschaftlicher Kampf weiterhin Trumpf. Das Wort Abstiegs-Endspiel hatte seinen Prototyp gefunden – und bald auch stilecht einen Platzverweis auf der Visitenkarte: Der bereits verwarnte Thomas Hübener legte Mickael Pote im Mittelfeld, Schiedsrichter Manuel Gräfe zückte konsequenterweise die Gelb-Rote Karte für Bielefelds Innenverteidiger (37.). Was nun, Arminia? In Unterzahl in die Kabine retten? Fehlanzeige! Zunächst rettete Ortega gegen einen Abschluss von Cheikh Gueye (41.), der direkte Gegenzug brachte die Führung für die Gäste: Ein weiter Schlag des gerade eingewechselten Markus Burmeister inklusive Kopfballverlängerung von Kacper Przybylko rief ein Missverständnis in Dresdens Hintermannschaft hervor, Klos stand plötzlich frei vor Benjamin Kirsten und schob überlegt mit links ein (42.). Beinahe hätten die Ostwestfalen noch einen draufgesetzt: Klos übersprang bei einer Ecke die halbe Dynamo-Deckung, nickte das Leder an den Pfosten (45.+1) – Kirsten wäre chancenlos gewesen. Großes Glück für die Hausherren, die sich beim Pausentee erst einmal schütteln mussten.

Dresdens Coach Olaf Janßen reagierte zu Beginn des zweiten Durchgangs personell, brachte Stürmer Zlatko Dedic für Tobias Kempe. Doch man merkte den Sachsen an, dass sie den Schock noch nicht verdaut hatten. Währenddessen verpasste Bielefeld die frühzeitige Vorentscheidung, als Przybylko nach Zuspiel von Klos von der Mittellinie aus ungestört dem Tor entgegen eilen konnte. Vielleicht hatte der 21-Jährige zu viel Zeit zum Nachdenken und brachte das Leder aus elf Metern nicht im Gehäuse unter (49.). Dynamo atmete durch – doch der nächste Rückschlag folgte auf dem Fuß: Gueye stieg gegen Klos hart ein und handelte sich damit eine etwas strittige Gelb-Rote Karte ein (59.).

Unterbrechung leitet Drama ein

Die Vorentscheidung? Nein. Fabian Klos markiert sein zweites Tor, doch Dresden kommt zurück. Getty Images

Bielefeld nutzte das wieder erlangte personelle Gleichgewicht prompt für Zählbares: Przybylko setzte sich klug gegen Romain Bregerie durch, behielt frei vor Kirsten die Übersicht und legte quer auf Klos, der aus kurzer Distanz locker einnetzen durfte (63.). Unmittelbar danach schlug die Stimmung auf den Rängen in Frust um: Dynamos Fans warfen Feuerwerkskörper auf den Rasen, sodass sich das Unparteiischengespann zu einer 15-minütigen Spielunterbrechung gezwungen sah. Die Ereignisse hörten indes nicht auf, sich zu überschlagen: Nach Wiederanpfiff vergingen wenige Sekunden, ehe Pote im Strafraum Stephan Salger abschüttelte und flach ins kurze Ecke zum Anschluss traf (65.). Wieder nur Augenblicke darauf zirkelte Schuppan einen Freistoß aus 20 Metern an die Latte (67.). Bielefeld war merklich aus dem Konzept gebracht, der mentale Schub des eigenen 2:0 durch die Unterbrechung wie verflogen.

Przybylko beendet den Wahnsinn

Und die ganz große Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten: Pote behielt in Bedrängnis an der Strafraumgrenze die Ruhe und hatte mit der Sohle das Auge für Koch, der Ortega im Eins-gegen-Eins mit Nervenstärke überwand (74.). Unfassbar, dachten sich die Dynamo-Fans und ließen vor Freude alle Dämme brechen. Doch das Drehbuch dieser Partie hatte noch eine letzte verrückte Wendung auf Lager: Der direkt auf den Ausgleich folgende Gegenzug der Ostwestfalen brachte Arne Feick auf links in Position, seine flache Hereingabe drückte der völlig allein gelassene Przybylko aus fünf Metern über die Linie (76.). Dresden musste jetzt alles auf eine Karte setzen, doch mehr als ein Dedic-Kopfball in die Arme von Ortega (86.) sprang nicht mehr heraus. Stattdessen hätten Arminias Tom Schütz (89.) und Christian Müller bei Kontern (90.+3) sogar noch auf 4:2 stellen können, scheiterten aber jeweils am gut reagierenden Kirsten.

Fazit zu Dynamo Dresden – Arminia Bielefeld am 11.05.2014

Beide Teams fighteten mit allen Mitteln gegen den drohenden Abstieg – und Bielefeld setzt sich letztlich verdient durch. Die Arminia hätte nach ausgeglichener ersten Hälfte schon vor der Spielunterbrechung den Sack endgültig zumachen können. So mussten die Gäste nach den dummen Aktionen der Dresdener Fans doch noch einmal kräftig zittern, zeigten daraufhin aber eine bewundernswerte Reaktion und brachten den knappen Vorsprung mit Glück und Geschick über die Zeit.