Review: Dresden – 1860 München

Man traute seinen Augen kaum am Montagabend im Glücksgas-Stadion. 13 Spiele in Folge hatte Dynamo Dresden nicht mehr gewonnen, blieb zuletzt zweimal ohne eigenen Treffer. Die Zeichen vor der Partie standen nicht gerade günstig. Doch dann solch eine atemberaubende Anfangsphase gegen 1860 München: Begünstigt durch fehlerhaftes Abwehrverhalten der Gäste schoss Dresden schon nach 20 Minuten eine 3:0-Führung heraus. Wenig später sorgte ein Eigentor von Anthony Losilla bei den Löwen kurz für Hoffnung, ehe Robert Koch unmittelbar vor der Pause das vorentscheidende 4:1 gelang. Daniel Adlungs Treffer zum 4:2-Endstand besaß lediglich statistischen Wert (89.).

1860-Keeper Kiraly fliegt vergeblich. Der Freistoß von Kempe schlägt unhaltbar im Netz ein. Getty Images

Von Ahlens Team verschlief den Beginn nach allen Regeln der Kunst: Guillermo Vallori foulte Robert Koch 20 Meter vor dem eigenen Tor und eröffnete den Hausherren die erste Möglichkeit per Freistoß. Die Sachsen nutzten sie sofort – besser gesagt Tobias Kempe. Der Mittelfeldakteur zirkelte die Kugel gekonnt über die Mauer ins Netz (5.). 1860-Keeper Gabor Kiraly streckte sich vergeblich. Der Treffer glich einer Initialzündung. Dresden legte enorme Aggressivität an den Tag, die Gäste wirkten schläfrig. Bezeichnend, dass ein eigener Freistoß der Löwen zum schnellen 0:2 führte. Dynamos Konter über Pote landete bei Idir Ouali, der sich den Ball am linken Strafraumeck zurecht legen durfte und einen wunderschönen Schlenzer zur Zwei-Tore-Führung ins Kreuzeck setzte (11.).

Tag des offenen Tors

Nur drei Minuten später kam erneut Ouali völlig unbedrängt zum Abschluss, scheiterte mit seinem Versuch aufs kurze Eck allerdings an Kiraly (14.). Als dieser Anfangsschwung der Dresdener etwas abzuebben schien, schenkte ihnen Löwen-Verteidiger Vallori den nächsten Treffer: Dessen Rückpass zu Kiraly war viel zu kurz angesetzt, sodass der Keeper ihn vor dem heranstürmenden Pote nur noch unkontrolliert vor die Füße von Robert Koch klären konnte. Der bedankte sich, zog aus 25 Metern mutig sofort ab und traf den verwaisten Kasten – 3:0 nach 20 Minuten! In punkto Geschenke wollten sich die Hausherren daraufhin nicht lumpen lassen: Münchens Markus Steinhöfer beförderte eine missratene Ecke aus dem Halbfeld zurück an den Fünfmeterraum. Dynamo-Torwart Benjamin Kirsten kam heraus, konnte den Ball allerdings nicht klären. Im Nachsetzen zwang Yuya Osako seinen Gegenspieler Anthony Losilla zu einem Eigentor (26.).

Dynamo brachte sich nun ohne Not wieder in die Bredouille, wirkte verunsichert – und die Löwen kamen beinahe zum Anschluss, doch Kirsten rettete in höchster Not gegen Schindler (33.). Bis zum Halbzeitpfiff ging 1860 trotz deutlich mehr Ballbesitz die offensive Durchschlagskraft ab – und defensiv setzte sich die Fehlerkette fort. Den effektiven Gastgebern war es recht: Ouali spielte Steinhöfer schwindlig und flankte maßgenau auf Koch, der aus acht Metern freistehend und unhaltbar für Kiraly einköpfte (45.).

Löwen brüllen noch einmal

Enttäuschung. So hatten sich die Münchener Löwen das Gastspiel in Dresden nicht vorgestellt. Getty Images

Nach dem Seitenwechsel steckte 1860 trotz aussichtsloser Lage nicht auf und sorgte für das erste Ausrufezeichen: Andreas Ludwig setzte eine flache Hereingabe von rechts aus kurzer Distanz nur knapp neben den Pfosten (53.). In der Folge mühten sich die Gäste sichtlich, agierten dabei allerdings weiterhin zu fehlerhaft im Passspiel. Gefahr verkam so zur Mangelware, da auch Dresden nicht mehr mit letzter Entschlossenheit den Weg nach vorne suchte. Für Prickeln sorgten einzig noch eine Einzelaktion des umtriebigen Ouali (77.) und ein starker Reflex von Kiraly im Eins-gegen-Eins mit Kempe (79.). Kurz vor dem Ende gelang den Münchenern noch Ergebniskosmetik, Daniel Adlung schob nach Ecke aus abseitsverdächtiger Position zum 4:2-Endstand ein.

Fazit zum Spiel  Dresden – 1860  vom 14.04.2014

Ein insgesamt verdienter Sieg der Dresdener, die ihre teilweise stümperhaft verteidigenden Gäste in der Anfangsphase förmlich überrannten. Dank großer Effektivität war der Grundstein früh gelegt, wurde mit Geschick und dem Nackenschlag des 4:1 noch vor der Pause entscheidend erweitert. Im zweiten Spielabschnitt blieben die Münchener offensiv zu unentschlossen, um noch einmal für Spannung zu sorgen – damit versackt 1860 im grauen Mittelmaß. Dynamo verweilt zwar auf dem Relegationsplatz, baute den Vorsprung zum direkten Abstiegsrang allerdings auf drei Punkte aus. Zudem ist der erste direkte Nichtabstiegsplatz nur noch drei Zähler entfernt.