Review: FC Chelsea – Atlético Madrid

Dass zwei Mannschaften aus einem Land das Finale der Champions League bestreiten, gab es in der Vergangenheit schon häufiger, zuletzt im vergangenen Jahr, als sich der FC Bayern München im innerdeutschen Duell letztlich mit 2:1 gegen Borussia Dortmund durchsetzte. Die Saison 2013/14 sorgt nun aber für ein Novum, stehen sich doch erstmals zwei Teams aus einer Stadt im Endspiel der Königsklasse gegenüber. Nachdem Real Madrid am Dienstagabend den Titelverteidiger aus München eliminierte und nach zwölf Jahren wieder ins Finale vorstieß, zog am Tag darauf Stadtrivale Atletico Madrid nach.

Acht Tage nach einem von Defensivtaktik geprägten Duell ohne Tore in Madrid gewann Atletico das Rückspiel beim FC Chelsea mit 3:1 und steht damit zum zweiten Mal nach 1974 im Endspiel des wichtigsten Wettbewerbs im europäischen Fußball. Für Chelsea ist dagegen der Traum vom erneuten Titelgewinn zwei Jahre nach dem Triumph von München geplatzt. Von Anfang an entwickelte sich an der Stamford Bridge eine deutlich unterhaltsamere Partie als vergangene Woche, was vor allem an der offensiveren Grundausrichtung Chelseas lag.  Atlético agierte taktisch sehr geschickt und zog sich bei Ballbesitz der Blues weit zurück, um schnell umzuschalten.

Torres sorgt nur kurz für Hoffnung

Atlético-Keeper Thibaut Courtois fliegt vergeblich. Der Schuss von Torres (nicht im Bild) schlägt ein. Getty Images

Nachdem Koke mit einer Mischung aus Flanke und Torschuss in der sechsten Minute die Latte getroffen hatte, tat sich zunächst vor beiden Toren eher wenig. In der 36. Minute war dann aber der zuvor unauffällige Fernando Torres nach Vorarbeit von Willian und Cesar Azpilicueta zur Stelle und traf mit einem von Diego Godin noch abgefälschten Schuss seinen Ex-Verein, dessen Kapitän er bereits mit 19 Jahren war, mitten ins Herz. Die Freude über die Führung währte beim Chelsea-Anhang allerdings nicht lange, auch weil die Blues plötzlich ohne Not Atletico das Feld überließen. Die Colchoneros ließen sich darauf hin nicht lange bitten und glichen eine Minute vor der Pause durch Adrian aus. Bei einem weiten Ball von Tiago ließ Hazard Atleticos Rechtsverteidiger Juanfran entwischen, dessen Hereingabe Adrian am zweiten Pfosten lauernd zum 1:1-Halbzeitstand versenkte.

Diego Costa macht’s vom Punkt

Perfekte Schusshaltung. Diego Costa verwandelt den Elfmeter zum 2:1 für Atlético. Getty Images

Im zweiten Durchgang zeigte sich Chelsea von der ersten Minute an bemüht, den für das Weiterkommen nötigen Treffer zu erzielen, fand gegen die überaus geschickte verteidigenden Spanier aber keine Mittel. Lediglich nach Standardsituationen wurde die Mourinho-Elf gefährlich, doch konnte sich Atletico wie schon die ganze Saison über auf den starken Keeper Thibaut Courtois verlassen, der pikanterweise vom FC Chelsea ausgeliehen ist und nicht nur John Terry bei einem Kopfball nach 52 Minuten zur Verzweiflung brachte. Atletico setzte wie schon phasenweise im ersten Durchgang nun verstärkt auf offensives Pressing und zwang die Blues zu Fehlern. Ein gravierender unterlief dem kurz zuvor eingewechselten Samuel Eto’o, der Diego Costa in der 59. Minute im Strafraum mit einem ungeschickten Einsteigen zu Fall brachte. Der gefoulte Diego Costa trat selbst zum Elfmeter an und verwandelte sicher zum schon vorentscheidenden 1:2.

Die Reise geht nach Lissabon. Atléticos Adrian Lopez bejubelt den Final-Einzug. Getty Images

Aufgrund der Auswärtstorregel benötigte Chelsea nun zwei Tore, um doch noch den Sprung ins Finale zu schaffen. Trainerfuchs José Mourinho warf alles in die Waagschale. Keine fünf Minuten nach dem 1:2 die große Chance auf den Ausgleich. Willian brachte einen Freistoß in den 16er, wo David Luiz Lufthohheit bewies und das Leder Richtung Tor köpfte, aber nur den Pfosten traf. Den zurückspringenden Ball könnte Chelsea-Leihgabe Thibaut Courtois mit einer spektakulären Parade endgültig klären. Endgültig entschieden war das Halbfinal-Duell dann nach 72 Minuten, als der wie schon vor dem 1:1 wieder mit einem weiten Flankenball bediente Juanfran direkt ablegte und Arda Turan zunächst per Kopf die Latte traf, um den zurückprallenden Ball zum 1:3 im Netz zu versenken. In der Folge brachte Atletico die Führung souverän über die Zeit, wobei Schlussmann Courtois sich noch das eine oder andere Mal auszeichnen konnte.

Fazit zu FC Chelsea – Atlético Madrid am 30.04.2014

Die portugiesische Hauptstadt Lissabon wird am 24.Mai fest in spanischer Hand sein. Nach dem Real-Triumph in München folgt Stadtrivale Atlético dank einer eindrucksvollen Vorstellung bei Chelsea verdientermaßen ins Finale. Real vom Namen her sicherlich als Favorit ins Endspiel, doch Atlético bewies sowohl in der spanischen Liga als auch im laufenden Wettbewerb, dass es sehr schwer zu schlagen ist.