Review: Braunschweig – Hannover

„Er wollte es nicht“. So kurz wie simpel fiel sie aus, die Antwort von Eintracht Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht auf die Frage, warum sein Mittelfeldakteur Damir Vrancic trotz gebrochenen Nasenbeins auf eine Schutzmaske verzichtet hatte. Die Gründe blieben offen. Vielleicht hätte „Maskenmann“ Vrancic dem Gegner Angst eingejagt. Hannover 96 aber hatte ohnehin zu viel Respekt vor den mit Herz und Leidenschaft agierenden Braunschweigern. Und so feierten Lieberknecht, seine Spieler und fast alle der 22.867 Zuschauer im „Tollhaus“ an der Hamburger Straße am vergangenen Sonntag einen auch in dieser Höhe verdienten 3:0 (2:0)-Derbysieg.

Doppelschlag stellt Weichen auf Sieg

„Man hat gesehen, welche Mannschaft wirklich wusste, um was es geht“, kommentierte Eintracht-Verteidiger Marcel Correia die Kräfteverhältnisse im niedersächsischen Prestigeduell. Nach einer kurzen Phase des Abtastens zog die Eintracht die Partie an sich und zeigte sich den Hannoveranern spielerisch, kämpferisch und läuferisch überlegen. Binnen sieben Minuten legte sie den Grundstein zum Sieg. War ein Kopfball von Domi Kumbela in der zwölften Minute noch haarscharf am Torgiebel vorbeigestrichen, profitierte er kurz danach von Ron-Robert Zielers Patzer und schoss zum umjubelten 1:0 (14.) ein. Vrancic (16.) hätte bereits für die Vorentscheidung sorgen können, sein 16-Meter-Schuss verfehlte das 96-Gehäuse allerdings knapp. Fünf Minuten später erlief sich Havard Nielsen einen langen Ball, zog aus spitzem Winkel ab und legte mit seinem Treffer ins lange Eck zum 2:0 bereits früh den Grundstein für den Sieg.

 

Schiedsrichter Gagelmann zeigt Hannovers Hoffmann (Nr.15) nach Tätlichkeit zur Recht Rot. Getty Images

Während Braunschweig nun komfortabel aus einer kompakten Defensive heraus Nadelstiche setzen konnte, musste 96 kommen. Aber bis auf einen Kopfball von Christian Schulz, der aus fünf Metern das Tor knapp verfehlte, brachte Hannover vor der Pause nichts Nennenswertes zustande. Erst in der zweiten Halbzeit hatte die Elf von Trainer Tayfun Korkut den Schock verdaut, war nun die aktivere Mannschaft. Allerdings dauerte es bis zur 61. Minute, ehe Frantisek Rajtoral einen Schuss absetzte, der das Prädikat Chance verdiente. 60 Sekunden später erwies André Hoffmann seiner Mannschaft einen Bärendienst, als er sich wegen Nachtretens gegen Eintracht-Kapitän Mirko Boland die rote Karte einhandelte.

Hochscheidt setzt den Schlusspunkt

Karim Bellarabi feiert mit den Fans ausgelassen den 3:0-Derby-Sieg über Hannover. Getty Images

Fortan boten sich den Braunschweigern noch mehr Räume zum Kontern. Während 96-Akteur Szabolcs Huszti (72.) Pech mit einem Pfostenschuss hatte, ließen Nielsen und Omar Elabdellaoui (jeweils 71.) Chancen für die Eintracht ungenutzt. Den Schlusspunkt setzte eine Minute vor dem Schlusspfiff Jan Hochscheidt, der nach toller Vorarbeit der eingewechselten Orhan Ademi und Karim Bellarabi das 3:0 markierte. Ausdruck der Hannoveraner Schwäche an diesem Tage: 67 Prozent Ballbesitz – kein Tor. Allerdings hatte die Braunschweiger Zweikampfstärke (54 Prozent) daran entscheidenden Anteil. Die Hausherren feierten anschließend ausgelassen mit ihren Fans den Derbysieg, der die Hoffnung auf die Klassenerhalt nun weiter nährt.

Fazit zum Spiel Braunschweig – Hannover vom 06.04.14

„Unglaubliche Enttäuschung“, „Katastrophe“ – die Worte, die 96-Manager Dirk Dufner nach der vierten Niederlage in Folge vor dem „Sky“-Mikrofon fand, waren markig, die Reaktionen der Fans („Wir haben die Schnauze voll“) ebenso. Kein Wunder, beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz nur noch zwei Punkte. Aus Braunschweiger Perspektive sieht dieselbe Differenz weitaus positiver aus, bezeichnet sie doch den geschmolzenen Rückstand auf den rettenden Rang 15. Den hat das Schlusslicht weiterhin fest im Blick. „Wir werden bis zum letzten Atemzug kämpfen“, versprach Eintracht-Defensivmann Ermin Bicakcic. Passend zum ohnehin schon spannenden Abstiegskampf bergen die nächsten Partien beider Mannschaften viel Brisanz, geht es doch jeweils gegen direkte Konkurrenten: Hannover empfängt den 16. Hamburger SV, während Braunschweig beim 14. SC Freiburg gastiert (12.04. 2014, 15.30 Uhr, live bei Sky).