Review: FC Bayern – Real Madrid

Wie im Leben gibt es auch im Fußball immer ein erstes Mal. Für den FC Bayern München hätte dieses Erlebnis am Dienstagabend kaum schlimmer ausfallen können als mit der 0:4-Niederlage im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid, gleichzeitig der ersten Pleite vor eigenem Publikum gegen den spanischen Weltklub nach zuvor bemerkenswerten neun Siegen und einem Unentschieden. Geplatzt ist mit der höchsten Europapokal-Heimniederlage der Vereinsgeschichte der nach dem 0:1 in Madrid noch vorhandene Traum von der erfolgreichen Titelverteidigung, die seit Einführung der Champions League zur Saison 1992/93 noch keinem Verein gelungen ist, und auch das Triple aus dem vergangenen Jahr kann nun nicht mehr wiederholt werden.

Die Bayern begannen im Vergleich zum Hinspiel sechs Tage zuvor mit Thomas Müller anstelle von Rafinha, was teamintern einige Verschiebungen zur Folge hatte. Während Müller die zentrale Rolle in der offensiven Dreierreihe übernahm, rückte Toni Kroos auf die Doppelsechs und Philipp Lahm verteidigte auf der rechten Seite. Bei Real Madrid kam wie erwartet der nach überstandener Darminfektion wieder fitte Gareth Bale für Isco in die Mannschaft und spielte auf dem rechten Flügel, von wo Angel di Maria eine Reihe nach hinten ins Mittelfeld rückte.

Ramos stellt die Weichen auf Sieg

Der erste Streich. Sergio Ramos köpft zur frühen Real-Führung ein. Getty Images

Wie im Hinspiel starteten die Bayern mit deutlich mehr Ballbesitz, doch von der ersten Minute an war Real Madrid mit schnellen Gegenangriffen brandgefährlich und stellte die Münchner damit wie schon in der ersten Hälfte in Madrid vor arge Probleme. Die ersten beiden Tore resultierten indes nicht aus Kontern, sondern aus Standardsituationen, denen allerdings schnelle Gegenangriffe vorausgegangen waren. Binnen vier Minuten sorgte Sergio Ramos mit seinen beiden ersten Toren im laufenden Wettbewerb für die Vorentscheidung. Zunächst war der spanische Nationalverteidiger in der 16. Minute nach einem Eckball von Luka Modric mit dem Kopf zur Stelle und nach 20 Minuten köpfte Ramos eine von Pepe verlängerte Freistoßflanke di Marias unhaltbar für Manuel Neuer ins Netz.

Kein Leader. Bastian Schweinsteiger bot wie sein gesamtes Team eine enttäuschende Leistung. Getty Images

Sichtlich geschockte Bayern fanden auf den Rückstand keine Antwort, kamen weiterhin nicht zu zwingenden Chancen und liefen in der 34. Minute einmal mehr in einen Konter, den die Madrilenen freilich gegen weit aufgerückte Bayern auch schulbuchmäßig ausspielten. Über di Maria und Bale kam der Ball zu Cristiano Ronaldo, der frei vor Neuer seinen 15. Treffer in der laufenden Champions League erzielte und damit einen neuen Rekord aufstellte. Mit dem 0:3, das mit etwas Pech sogar noch höher hätte ausfallen können, ging es in die Pause, in der Bayern-Coach Guardiola Javi Martinez für Mario Mandzukic brachte und Müller dafür in den Angriff schob.

Cristiano Ronaldo setzt den Schlusspunkt

Unnachahmliche Schusstechnik. Reals Ronaldo trifft den Ball optimal und versenkt ihn gleich im Tor. Getty Images

Nach dem Seitenwechsel bot sich den 68.000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz Arena ein unverändertes Bild. Auch mit Müller im Angriff fanden die Bayern kein Mittel gegen die stark verteidigenden Gäste. Arjen Robben, Franck Ribery und Toni Kroos kamen zwar nun vorwiegend aus der Distanz zu Abschlüssen, die aber entweder ihr Ziel verfehlten oder für Gästeschlussmann Iker Casillas kein gesteigertes Problem darstellten. Je länger die Partie dauerte, umso mehr verflachte das Geschehen und der Glaube an ein Wunder schwand immer mehr. Letztlich war der Schlusspunkt den Gästen aus der spanischen Hauptstadt vorbehalten. Superstar Ronaldo versenkte eine Minute vor dem Abpfiff einen Freistoß aus rund 19 Metern durch die hochspringende Bayern-Mauer zum 0:4-Endstand.

Fazit zu FC Bayern  – Real Madrid vom 29.04.2014

Der FC Bayern hat es nach dem Formverlust im Anschluss an die Ende März perfekt gemachte Meisterschaft letztlich nicht geschafft, den Schalter umzulegen und an die Leistungen vom Beginn des Jahres anzuknüpfen. Das auf Ballbesitz ausgelegte Spiel der Münchner geriet gegen ein überaus geschickt verteidigendes Real Madrid zur brotlosen Kunst, während die Königlichen, die nun am 24. Mai im Finale in Lissabon unabhängig vom Gegner der Favorit sind, mit eher einfachen Mitteln wie Standardsituationen und Konter zum am Ende völlig verdienten Erfolg kamen.