Review Atlético Madrid – FC Chelsea

Der FC Chelsea hat sich im Halbfinal-Hinspiel der Champions League eine gute Ausgangslage verschafft. Zwar konnten die Engländer kein Tor erzielen, doch dank einer taktisch überzeugenden Defensiv-Leistung sicherte sich die Mourinho-Truppe ein verdientes 0:0, das alle Chancen für das Rückspiel am 30.04. an der Stamford Bridge birgt. Atlético hatte zwar weitaus mehr Spielanteile, kam jedoch zu selten gefährlich in Tornähe und muss sich steigern, um den Final-Einzug zu schaffen.

Zurück an alter Wirkungsstätte. Chelseas Fernando Torres (l.) lief von Beginn auf. Getty Images

Atlético konnte wieder auf den rechtzeitig genesen Torjäger Diego Costa zurückgreifen. Etwas überraschend verzichte Trainer Diego Simeone aber auf dessen kongenialen Sturmpartner David Villa und brachte den ehemaligen Bundesliga-Star Diego von Beginn an. Bei Chelsea stürmte anstelle des verletzten Etoo ein Rückkehrer: Fernando Torres spielte über zwölf Jahre für Atlético und genießt in Madrid immer noch Helden-Status. Mit Luiz, Lampard und Mikel setzte Chelseas Mourinho auf eine dreifach Absicherung vor der Abwehr. Entsprechend schnell war auch der Matchplan des Portugiesen zu erkennen. Aus einer dicht gestaffelten Defensive heraus, vereinzelte Nadelstiche zu setzen.

Cech früh runter

Bitter. Chelsea-Keeper Petr Cech liegt verletzt am Boden und muss ausgewechselt werden. Getty Images

Nach einer höhepunktarmen Anfangsphase musste Chelsea in der 15. Minute eine Hiobsbotschaft hinnehmen. Keeper Petr Cech verletzte sich bei einem Eckball von Koke, musste ausgewechselt und später ins Krankenhaus gebracht werden. Für den Tschechen rückte Oldie Mark Schwarzer in den Kasten. Schwarzer, mittlerweile 41 Jahre alt, stand bereits 1995 bei Dynamo Dresden im Tor und kam nun zu seinem zweiten Einsatz in der Königsklasse. Die Gäste ließen sich von diesem vermeintlichen Rückschlag jedoch nicht schocken, sondern agierten fortan etwas mutiger. Nach 20 Minuten fand der Ball den Weg ins Madrid-Tor, doch Schiedsrichter Eriksson erkannte den Treffer von Cahill zurecht nicht an, da Mikel vorher Atlético-Schlusmann Courtois regelwidrig behinderte.

Die Drangphase der Londoner hielt allerdings nicht lang an, fortan drückte Madrid die Engländer weiter hinten rein. Doch trotz Ballbesitz von über 60 Prozent kamen die Spanier kaum zu guten Gelegenheit. Der auffällige Diego war zwar immer wieder Fixpunkt im Angriffspunkt, doch wenn es Richtung Tor gehen sollte, fehlten auch ihm die zündenden Ideen. So musste ein Fernschuss für die einzig nennenswerte Gelegenheit der Gastgeber im ersten Durchgang herhalten. Mario Suarez verfehlte aus gut 25 Metern haarscharf den Kasten.

Atlético zu harmlos

Anders als bei diesem Fallrückzieher enttäuschte Diego Costa über weite Strecken des Spiels. Getty Images

Zur zweiten Halbzeit agierte der Gast von der Insel überraschenderweise etwas offensiver, ohne dabei jedoch defensiv die taktische Grundordnung zu vernachlässigen. Atlético war nun auch in der Abwehrarbeit stärker eingebunden und ließ in der Folge im Angriffsspiel nach. Als dann auch noch der starke Diego nach einer Stunde unter Beifall ausgewechselt wurde, erlahmte die Offensive Madrids noch mehr. Erst in der Schlussviertelstunde nahm die Partie wieder an Fahrt auf. Zunächst scheiterte Gabi mit einem abgefälschten Freistoß am stark reagierenden Schwarzer, ehe Atlético sich vermehrt auf Flanken konzentrierte. Keine schlechte Wahl nachdem Chelseas Abwehrchef John Terry verletzungsbedingt vom Platz musste. Gleich zweimal kam Raul Garcia zu guten Kopfball-Chancen, ließ jedoch beide Male jegliche Torgefahr missen. Kurz vor Schluss fast der Lucky-Punch für Chelsea, doch David Luiz setzte einen Freistoß aus aussichtsreicher Position über den Kasten. Im Gegenzug kam der ansonsten blasse Diego Costa noch zu einer Kopfball-Gelegenheit, die Schwarzer jedoch mühelos entschärfte.

Fazit zu Atlético Madrid – FC Chelsea am 22.04.2014

Vor der Partie galt Atlético als Favorit auf ein Weiterkommen, doch nach dem 0:0 sind die Karten nun neu gemischt. Chelsea-Coach Mourinho zeigte einmal mehr, warum er zu den weltbesten Trainer gehört und stellte die Spanier mit seiner unattraktiven, aber wirksamen Defensiv-Taktik vor arge Probleme. Vor heimischem Publikum ist Chelsea favorisiert und geht daher mit leichten Vorteilen ins Rückspiel. Allerdings könnte die personelle Lage der Londoner die Chancen für Madrid erhöhen. Ramires und Lampard müssen wegen der dritten gelben Karte pausieren, die Routiniers Cech und Terry sind nach ihren Verletzungen sehr fraglich.