Analyse der WM-Gruppe C

Formal ist Gruppe C die ausgeglichenste Staffel der WM-Vorrunde. Kolumbien, Elfenbeinküste, Griechenland, Japan – kein eindeutiger Favorit, kein krasser Außenseiter. Klar scheint bei dieser Besetzung nur: An Spannung wird es nicht fehlen. Wer schnappt sich am Ende den Gruppensieg, wer muss früh seine Koffer packen?

Wettmaxx.com beleuchtet die vier Teams, analysiert ihre Stärken sowie Schwächen und präsentiert die besten Wettquoten.

Kolumbien ohne Superstar Falcao

Nicht rechtzeitig fit. Kolumbien muss auf die WM-Teilnahme seines Torjägers Falcao verzichten. Getty Images

Eine Nachricht versetzte im Januar eine ganze Nation in Schockstarre: Bei einem Pokalspiel mit seinem Klub AS Monaco gegen einen Viertligisten zog sich Radamel Falcao einen Kreuzbandriss zu. Und das knapp fünf Monate vor der WM. Es folgten ständige Wasserstandsmeldungen über den Gesundheitszustand des Torjägers, bis Kolumbiens Nationaltrainer Pekerman ihn schließlich aus dem Kader streichen musste. Zwar könnten hoch veranlagte Stürmer wie Jackson Martinez (FC Porto) oder Teofilo Gutierrez (River Plate Buenos Aires) einspringen – adäquat werdeb sue Falcao aber kaum ersetzen. So hängt bei Kolumbiens erster WM-Teilnahme seit 1998 viel von der mannschaftlichen Geschlossenheit ab. Hinten organisiert Routinier Mario Yepes (Atalanta Bergamo) eine Abwehr, die in der auf Platz zwei abgeschlossenen Südamerika-Qualifikation die wenigsten Gegentreffer aller Teams hinnehmen musste (nur 13 in 16 Spielen). Im Mittelfeld stehen Fredy Guarin (Inter Mailand), Juan Cuadrado (AC Florenz) oder James Rodriguez (AS Monaco) für herausragende Spielstärke.

Hellas will erstmals ins Achtelfinale

Soll die Griechen-Defensive zusammen halten. Abwehr-Ass und Führungsspieler Vasilis Torosidis. Getty Images

Die Hellenen verfügen ebenso traditionell über eine gefestigte Defensive. Indiz dafür sind lediglich vier Gegentore in zehn Qualifikationsspielen. Sokratis Papasthatopoulos von Borussia Dortmund, Vasilis Torosidis (AS Rom) und Jose Holebas (Olympiakos Piräus) dürfen als Garanten für diese Sicherheit angeführt werden. Dennoch reichte es hinter Bosnien nur zu Platz zwei und das Ticket nach Brasilien musste in den Playoffs gegen Rumänien gesichert werden. Dabei entpuppte sich Kostas Mitroglou als Held, der Stürmer traf doppelt beim 3:1-Heimsieg im Hinspiel und steuerte auch das Tor zum 1:1 im Rückspiel bei. Allerdings saß Mitroglou in der Rückrunde der abgelaufenen Saison beim FC Fulham meist auf der Bank, hat kaum Spielpraxis. Dieser Umstand könnte die Last des Toreschießens auf die Schultern des zwar technisch beschlagenen, aber vor dem gegnerischen Kasten oft zahnlosen Giorgios Samaras (Celtic Glasgow) und des in die Jahre gekommenen Strafraumwühlers Theofanis Gekas (Konyaspor) verlagern. Glück für die Griechen daher, dass die Gruppengegner nicht zur absoluten Beletage der Endrunden-Teilnehmer zählen. Doch auch bei den bisher einzigen WM-Teilnahmen (1994 und 2010) konnte Hellas derlei Ausgangslage nicht zum Vorstoß in die K.o.-Phase nutzen. So musste man vor vier Jahren etwa Südkorea den Vortritt ins Achtelfinale lassen. Nach dem sensationellen EM-Titel ist ein erneuter Coup wie Griecheland als Weltmeister 2014 ausgeschlossen, allein das Überstehen der Vorrunde wäre schon ein Erfolg.

Letzter Auftritt des großen Didier

Nationalheld und Weltstar. Didier Drogba (r.) will die Elfenbeinküste ins Achtelfinale schießen. Getty Images

Am letzten Vorrundenspieltag trifft Griechenland auf die Elfenbeinküste. Auf Ivorer, die sich denken werden: Endlich mal eine machbare Gruppe. Die Gegner bei den beiden bisherigen WM-Teilnahmen hießen unter anderem Holland und Argentinien (2006) oder Brasilien und Portugal (2010), sodass ein frühes Ausscheiden nicht zu vermeiden war. In Brasilien sehen Didier Drogba (Galatasaray), Yaya Toure (Manchester City) und ihre Mitstreiter der Goldenen Generation nun endlich die Chance, ihr afrikanisches Land in den Fokus der Weltöffentlichkeit zu hieven. Und es wird wohl auch die letzte Möglichkeit sein: Drogba ist 36, Toure hat inzwischen 31 Jahre auf dem Buckel, Bruder Kolo (FC Liverpool) und Didier Zokora (Trabzonspor) gar schon deren 33. Diesmal muss es klappen, der Einzug ins Achtelfinale gilt als Minmalziel. Nicht ungewöhnlich für Mannschaften vom afrikanischen Kontinent hat auch die Elfenbeinküste allerdings Probleme auf der Torwartposition: Boubacar Barry, mittlerweile 34 Jahre alt, ist immer wieder für haarsträubende Patzer gut. Die sollte er sich schon zum Auftakt gegen Japan (15. Juni in Recife) unbedingt verkneifen. Und im Spiel nach vorne wird wichtig sein, ob Drogba und Toure von zweifellos außergewöhnlichen, aber auch sehr launischen Könnern wie Gervinho (AS Rom) oder Salomon Kalou (OSC Lille) ausreichend Unterstützung erfahren.

Honda und die Deutschland-Fraktion

AC-Mailand-Star Keisuke Honda will mit den Japanern die Vorrunde überstehen. Getty Images

Souverän hat sich Japan in seiner asiatischen Qualifikationsgruppe vor Australien als Gruppenerster für Brasilien qualifiziert. Zum fünften Mal in Folge ist „Nippon“ damit bei einer WM dabei. Vor vier Jahren in Südafrika setzte man sich in der Vorrunde immerhin gegen Dänemark und Kamerun durch, scheiterte schließlich im Achtelfinale. Mindestens in die Runde der letzten 16 will die Elf des italienischen Trainers Alberto Zaccheroni auch diesmal, die kühnsten Optimisten träumen gar davon, dass Japan den WM-Titel holt. Pluspunkt: In der Breite ist die Qualität des Kaders wohl so gut wie nie. Alle wichtigen Spieler sind in europäischen Topligen beheimatet. Angefangen bei der Viererkette um Maya Yoshida (FC Southampton), Atsuto Uchida (FC Schalke) oder Yuto Nagatomo (Inter Mailand), über Mittelfeld-Arbeitsbiene Makoto Hasebe (1. FC Nürnberg) und seine Zauberer Shinji Kagawa (Manchester United) oder Keisuke Honda (AC Mailand), bis hin zu Sturmtank Shinji Okazaki von Mainz 05. Wichtig: Speziell gegen die leicht favorisierten Nationen wie Kolumbien oder die Elfenbeinküste bedarf es eines hohen Maßes an Aggressivität, das die häufig zu demütigen Japaner nur selten an den Tag legen. Impft Zaccheroni ihnen derlei Gene ein und Kagawa sowie Honda schöpfen ihr vorhandenes Potenzial aus, ist der Achtelfinal-Einzug durchaus im Bereich des Möglichen.

Die Ausgeglichenheit von Gruppe C spiegelt sich auch bei den Wettanbietern wieder. Die Quoten auf den Gruppensieg weisen die geringste Diskrepanz innerhalb der vier Teams auf, erstrecken sich bei Interwetten etwa lediglich von 1,80 (Kolumbien) bis 8,00 (Griechnland). Interessant, weil schwer zu prognostizieren, sind bei dieser Staffel vor allem die Zweierwetten auf das Weiterkommen: Die mutmaßlich zu erwartende Konstellation Kolumbien/Elfenbeinküste hat bei bet-at-home die Quote 2,50. Die nicht auszuschließende Variante mit der Elfenbeinküste als Gruppensieger und Japan als Gruppenzweitem bringt ebenfalls bei bet-at-home eine lukrative 16,00. Wer dagegen Griechenland den Sprung ins Achtelfinale (egal ob als Erster oder Zweiter) zutraut, darf sich bei bet365 über die Quote 3,00 freuen.

Spielplan der Gruppe C

Datum
Uhrzeit
Ort
Spiel
Sa 14.06.2014
13:00 (D 18:00)
Belo Horizonte
Kolumbien -
Griechenland 3:0
Sa 14.06.2014
22:00 (D 03:00)
Recife
Elfenbeinküste - Japan 1:2
Do 19.06.2014
13:00 (D 18:00)
Brasilia
Kolumbien - Elfenbeinküste 2:1
Do 19.06.2014
19:00 (D 00:00)
Natal
Japan - Griechenland 0:0
Di 24.06.2014
16:00 (D 22:00)
Cuiaba
Japan - Kolumbien 1:4
Di 24.06.2014
17:00 (D 22:00)
Fortaleza
Griechenland - Elfenbeinküste 2:1

Fazit & Wettquoten zur WM-Gruppe C

Trotz der Verletzung von Torjäger Falcao, hat Kolumbien mit sattelfester Defensive und weiteren Stars wie James Rodriguez oder Fredy Guarin die besten Karten auf den Gruppensieg. Allerdings dürfen die Cafeteros nur als leicht favorisiert gelten, vor allem die Elfenbeinküste und Japan könnten ihnen die Stirn bieten. Die Ivorer brauchen dafür vor allem einen Yaya Toure in der Form, mit der er Manchester City in der abgelaufenen Saison zur englischen Meisterschaft geführt hat. Die Japaner vertrauen auf die Künste von Honda oder Kagawa. Und was kann Griechenland leisten? Schwer zu prognostizieren, denn im Spiel nach vorne wirken die Hellenen schlichtweg zu bieder. Dementsprechend gering sind die griechischen Aussichten auf den ersten Achtelfinal-Einzug bei einer WM.

Aktuelle Wettquoten zum Sieger der WM-Gruppe C

Kolumbien 1,80 @tipico
Elfenbeinküste 4,40 @bet-at-home
Japan 5,00 @Interwetten
Griechenland 8,50 @sportingbet